Von Thomas Scripps – 15. Mai 2026
Großbritannien ist in eine neue Phase der politischen Krise eingetreten. Die Regierung von Labour-Chef Keir Starmer steht kurz vor dem Zusammenbruch – erschüttert durch Rücktritte und Misstrauenserklärungen, darunter auch von Gesundheitsminister und Blair-Anhänger Wes Streeting – und wartet nun auf den letzten Auslöser für eine offene Führungskrise.
Um eine sozialistische Antwort zu formulieren, müssen Arbeiter und junge Menschen über das Medien-Psychodrama hinwegsehen, das Politik auf Seifenopern und Persönlichkeitskonflikte reduziert, und sich stattdessen auf die zugrunde liegenden Realitäten konzentrieren, die die Krise antreiben.
Die Krise, in der die Starmer-Regierung steckt, geht auf zwei langfristige, miteinander verflochtene Entwicklungen zurück: des weltweiten Niedergang des britischen Imperialismus in den Turbulenzen des Weltkapitalismus und den kompletten Verlust der Arbeiterklasse als Wählerbasis der Labour Party.
In den fast dreißig Jahren von 1979 bis 2007 hatte Großbritannien nur drei Premierminister. Zwei von ihnen – Margaret Thatcher für die Konservativen und Tony Blair für Labour – waren jeweils zehn Jahre lang ununterbrochen im Amt. Seitdem hat Großbritannien in weniger als zwanzig Jahren sieben Premierminister verschlissen, wobei vier – und nun möglicherweise fünf – allein in den letzten vier Jahren an die Macht kamen.
In jedem einzelnen Fall wurde der Sturz eines britischen Premierministers durch einen internationalen Schock ausgelöst, der die Anfälligkeit der globalen Position des britischen Imperialismus offenlegte und dadurch die Klassenwidersprüche im eigenen Land verschärfte.
Gordon Browns Amtszeit als Premierminister endete mit der Finanzkrise von 2008, als Labour die Banken rettete und damit einer neuen Ära der Sparpolitik den Weg ebnete. David Cameron wurde nach dem Brexit-Referendum aus dem Amt getrieben, das durch die Sparpolitik angeheizt worden war, die britische Wirtschaft in Turbulenzen brachte und die Außenpolitik Großbritanniens in eine Krise stürzte.
Die Abgänge von Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak, allesamt Mitglieder der Konservativen Partei und gefallen wie Dominosteine, spiegelten letztlich die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des NATO-Kriegs gegen Russland in der Ukraine wider. Beide Entwicklungen offenbarten die extreme Verwundbarkeit des britischen Kapitalismus, während der Krieg Anforderungen an den britischen Imperialismus und Militarismus stellte, die nach Ansicht der herrschenden Klasse keine dieser Persönlichkeiten bewältigen konnte.