Der Iran setzt sich seit langem für eine Region ohne Massenvernichtungswaffen ein

Interview mit Karin Leukefeld. Interview ZiF – 16. Juli 2026

In den Ländern des Mittleren und Nahen Ostens sieht man sämtliche Instrumente der Interventionspolitik des Westens.

Das Interview mit Karin Leukefeld, freie Journalistin und Nahost-Expertin, wurde am wurde am 9. Juli 2026 geführt.

Zeitgeschehen im Fokus Die letzten Tage sind von Unsicherheit geprägt, was die Entwicklung im Nahen Osten betrifft. Wie war der Ablauf?

Karin Leukefeld Erst wurde bombardiert, dann meldete sich Trump zu Wort und drohte, den Iran zu zerstören. Anschließend erklärte er, das Memorandum habe keinen Bestand mehr. Wenige Stunden später – auf dem Rückflug in die USA – hörte sich das schon wieder ganz anders an. Der Iran habe ihn angerufen, die Iraner wollten unbedingt ein Friedensabkommen. Es würde zwar nicht viel bringen, weil die Iraner «verrückt» seien, doch seiner Ansicht nach könne man weiterreden. Von einem Ende des Memorandums war keine Rede mehr.

Brachte das Memorandum eine Beruhigung in der Region?

Es ist bereits über vier Wochen alt. Das ist darum erwähnenswert, weil die Entwicklung in der Region rasant ist. Was gestern noch galt, ist heute völlig über den Haufen geworfen, wie man aktuell sieht. Dieses Memorandum hat zunächst dazu geführt, dass der Waffenstillstand, der am 8. April vereinbart worden war, fortgesetzt und im Memorandum-Text bestätigt wurde.

Im Memorandum sind 14 Punkte aufgelistet, die in den nächsten zwei Monaten – die Rede ist von 60 Tagen – in einzelnen Gesprächsrunden technisch und wirtschaftlich geklärt werden sollen. Das heißt, es gibt ein Arbeitsprogramm. Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung, weil beide Seiten damit sagen, dass die Kriegsphase ein Ende haben und es zu weiteren Verhandlungen kommen soll.

Wie stellt sich Israel dazu?

Das Memorandum wird von Israel abgelehnt, während es die Hisbollah im Libanon unterstützt und sich militärisch darauf bezieht. Zur Hisbollah sei angemerkt, dass sie – mit der Amal Bewegung – die schiitische Bevölkerung im Libanon vertritt. Das ist auf das politische System der Machtteilung nach Religionen zurückzuführen: maronitische Christen, sunnitische und schiitische Muslime. Real wird die Hisbollah wegen ihres politischen Kurses gegen Israel von vielen Libanesen unterstützt, ungeachtet ihrer religiösen Zuordnung. Doch zurück zum Memorandum. Wichtig ist, dass in dem Text ausdrücklich steht, dass der Waffenstillstand nicht nur für Iran, sondern für die ganze Region gilt und vor allem auch für Libanon. Auch deswegen wird es von Israel abgelehnt.

Ein positiver Punkt ist, dass innerhalb eines Monats ab Unterschrift die Strasse von Hormuz für den Schiffsverkehr – für Handelsschiffe – wieder geöffnet sein soll. Die US-Marine zieht sich aus den Häfen des Iran zurück, womit sie bereits begonnen hat, und die Durchfahrt durch die Meerenge wird von Iran und Oman verwaltet. Die beiden Anrainerstaaten haben eine gemeinsame Arbeits­ebene gefunden. Im Memorandum ist festgehalten, dass in Zukunft die Meerenge von Hormuz von beiden Staaten gemanagt wird, und zwar soll das in Absprache mit allen Staaten, die eine Küste am Persischen Golf haben, geschehen. Dazu gehören Irak, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrein, Kuweit und Katar. Alle Länder haben auch Häfen am Persischen Golf und sollen miteinbezogen werden. Es bleibt abzuwarten, ob die USA sich an diese 14 Punkte des Memorandums halten werden. Die Durchfahrt der Schiffe hat zugenommen. Gespräche haben begonnen.

Veröffentlichung: Zeitgeschehen im Fokus; Ausgabe 11/12 2026; 16.07.2026

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