Wenn die Kinder zum Angriffsziel werden

Von Vijay Prashad – 16. Juli 2026

Ein palästinensisches Mädchen in Gaza mit einem Kochtopf unterwegs während des Kriegs, um Essen zu besorgen.

Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete ist zu dem Schluss gekommen, dass Kinder selbst zu absichtlichen Zielen der israelischen Militärpolitik geworden sind.

Am 23. Juni veröffentlichte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalem und Israel, einen der vernichtendsten Berichte, die jemals von einem UN-Untersuchungsgremium zum israelischen Völkermord im Gaza-Streifen erstellt wurden.

Schon der Titel ist fast unerträglich zu lesen: „Die Essenz der Kindheit wurde zerstört“. Hinter diesem Titel steckt eine Anschuldigung von außerordentlicher Schwere. Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass israelische Behörden und Sicherheitskräfte palästinensische Kinder gezielt zur Zielgruppe genommen haben und dass diese Handlungen auf Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen hinauslaufen, neben den Kriegsverbrechen im besetzten Westjordanland.

Der Bericht ist kein emotionaler Appell. Er ist ein äußerst sorgfältiges juristisches Dokument, das auf Zeugenaussagen, forensischen Beweisen, Satellitenbildern, militärischen Analysen, medizinischen Gutachten und jahrelanger Dokumentation basiert. Was er darstellt, ist nicht bloß ein weiterer Katalog ziviler Opfer. Er zeigt auf, dass das Töten, Verstümmeln, Aushungern, Inhaftieren und die psychische Zerstörung palästinensischer Kinder nicht als Kollateralschaden erklärt werden können. Die Kommission kommt vielmehr zu dem Schluss, dass Kinder selbst zu absichtlichen Zielen der israelischen Militärpolitik geworden sind. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Die Konsequenzen einer solchen Erkenntnis reichen weit über Gaza hinaus. Sie werfen grundlegende Fragen über die Zukunft des Völkerrechts selbst auf.

Ein außerordentlich ernster Bericht

Die Kommission schätzt, dass seit Oktober 2023 mindestens 20.179 palästinensische Kinder getötet und mehr als 44.000 verletzt wurden. Etwa 30 Prozent aller getöteten Palästinenser waren Kinder. Allein diese Zahlen machen den Gaza-Krieg zu einem der tödlichsten Konflikte für Kinder in der modernen Geschichte.

Die Wichtigkeit des Berichts liegt jedoch nicht nur in den Zahlen, sondern in seinen Schlussfolgerungen hinsichtlich des Vorsatzes.

Er dokumentiert wiederholte Vorgänge, bei denen Kinder von Scharfschützen erschossen, von Drohnen angegriffen, auf der Suche nach Nahrung oder Wasser getroffen oder getötet wurden, obwohl sie keine militärische Bedrohung darstellten – was offensichtlich hätte sein müssen. Der Bericht untersucht den wiederholten Einsatz hochexplosiver Sprengstoffe in dicht besiedelten Zivilgebieten, lange nachdem die vorhersehbaren Folgen für Kinder unbestreitbar geworden waren.

Er beschreibt detailliert Angriffe auf Entbindungskliniken, Stationen für Neugeborene, Schulen, Waisenhäuser und Schutzräume und auch die Blockade von Nahrung, Wasser und Medikamenten. Der Bericht zeigt auf, wie Hunger, Krankheit und der Kollaps der medizinischen Versorgung zu Kriegsinstrumenten geworden sind, die sich gegen eine ganze Zivilbevölkerung richten, deren jüngste Mitglieder am stärksten gefährdet sind. (Hervorhebung durch die Globalbridge-Redaktion.)

Die Kommission untersucht auch israelische Inhaftierungspraktiken, die palästinensische Minderjährige betreffen. In Gaza und der Westbank festgenommene Kinder beschreiben Folter, sexuelle Gewalt, erniedrigende Behandlung und das Verschwindenlassen in Haftanstalten, ohne dass ihre Familien darüber informiert werden. Solche Misshandlungen, so das Fazit, sind Teil eines umfassenderen Systems kollektiver Bestrafung, das sich über Generationen hinweg gegen die palästinensische Gesellschaft richtet.

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