Von Evan Blake – 24. Juli 2026
Pünktlich zur Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz in Shanghai hat China zwei KI-Modelle veröffentlicht, die mit den fortschrittlichsten amerikanischen Systemen mithalten können. Dieser Schritt löste Panik in Washington und im Silicon Valley aus und zeigt, wie anfällig die Spekulationsblase ist, auf der der gesamte amerikanische Aktienmarkt mittlerweile beruht.
Am Donnerstag, einen Tag vor Beginn der Konferenz, stellte das Pekinger Unternehmen Moonshot AI das Modell „Kimi K3“ vor. Laut dem Wall Street Journal, dem wichtigsten Sprachrohr des amerikanischen Finanzkapitals, habe Kimi K3 „die globalen Märkte erschüttert“ und werde „zu den weltweit besten Modellen gezählt“. Drei Tage später stellte Alibaba das Modell „Qwen 3.8 Max“ vor und behauptete, es übertreffe Kimi K3.
„Chinas führendes KI-Event sendet Botschaft an die USA: Wir holen euch ein“, titelte das Journal aus Shanghai. Tarun Chhabra, Leiter der Abteilung für nationale Sicherheitspolitik beim amerikanischen KI-Konzern Anthropic, sagte erst letzte Woche, dass der Vorsprung der USA 12 bis 18 Monate betragen hätte, wenn chinesische Unternehmen ihre Modelle nicht anhand der amerikanischen Systeme trainiert hätten. Der Vorsprung lässt sich nun in Wochen messen: Nur Claude Fable 5 und GPT-5.6 Sol, die im Juni und Juli veröffentlicht wurden, rangieren noch vor Kimi K3.
Auslöser der Krise ist die Tatsache, dass die neuen Modelle offen zugänglich sind. Beide sind sogenannte „Open-Weight-Modelle“: Moonshot wird bis zum 27. Juli die vollständigen Gewichte, d.h. die trainierten Parameter von Kimi K3 veröffentlichen, Alibaba verspricht dasselbe. Sobald die Modellgewichte veröffentlicht sind, kann jeder sie herunterladen, prüfen, modifizieren und auf seiner eigenen Hardware ausführen, ohne den amerikanischen KI-Konzernen etwas schuldig zu sein.
Das ganze Ziel der amerikanischen KI-Industrie bestand darin, diese Technologie zu monetarisieren und zu monopolisieren. Die KI-Unternehmen haben Hunderte Milliarden investiert und Billionen für Rechenzentren veranschlagt in der Annahme, dass KI-Spitzentechnologie ein knappes, monopolisiertes Gut bleibt, aus dem eine Handvoll Unternehmen Gewinne abschöpft. Wenn die hochwertigsten KI-Modelle frei reproduziert werden können, wird ihr Preis notwendigerweise auf die Grundkosten für den Strom und das Silizium sinken, die für ihren Betrieb benötigt werden. Was sich in Luft auflöst, ist die Rendite – und genau diese Rendite ist das Einzige, was die Bewertung von OpenAI und Anthropic stützt, die beide einen Börsengang vorbereiten.
Wie das WSJ schreibt, beruhte der Boom in erster Linie auf dem Vertrauen der Investoren, dass die amerikanischen Unternehmen ihren Vorsprung an der Spitze halten würden. Das habe auch dazu beigetragen, die hohen Ausgaben von Billionen Dollar für die Infrastruktur zu rechtfertigen, so das Journal. Doch das gesamte Konstrukt ist unrentabel. Nach Zahlen, die aus Unternehmensunterlagen bei der US-Börsenaufsicht und Gewinnberichten zusammengestellt wurden, haben die großen amerikanischen Technologieunternehmen rund 1,4 Billionen Dollar in KI investiert. Die kumulierten Einnahmen liegen nur bei etwa 700 Milliarden Dollar. Nvidia, das die Hardware verkauft, die die anderen nutzen, schreibt schwarze Zahlen.