Von Florian Rötzer – 3. November 2026

Gestern kam es zu einem Aufruhr vor einem Haus im Dorf Petropavlivska Borshchahivka in der Region Kiew, das als geheimes oder inoffizielles Gefängnis diente. Die Nationalgarde, in die nach 2014 viele Freiwilligenverbände integriert und legalisiert wurden, soll dort mobilisierte Männer eingesperrt und misshandelt haben, die desertiert sind und eingefangen wurden.
Private Rettungssanitäter hatten die Polizei gerufen, da ihnen der Zutritt zu einer hilfsbedürftigen Person verweigert wurde. Es könnte sich, wird behauptet, um eine gezielte Aktion der „Ärztin“ Valentyna Moloda, Inhaberin einer Klinik für plastische und ästhetische Chirurgie, handeln. Sie wird mitunter als prorussisch bezeichnet, u.a. weil sie regierungskritische Postings geschrieben hat. Auf sozialen Medien kursierten überdies Meldungen. Ausgegangen war das Gerücht von einem Desertierten, der aus dem Gefängnis geflohen war und festgenommen wurde. Der darauf entstandene Aufruhr zeigt, unabhängig davon, ob die Vorwürfe stimmen, dass die Bevölkerung zunehmend dagegen revoltiert, dass die ukrainische Regierung den Stellvertreterkrieg weiterführt, indem sie Männer mit roher Gewalt zwangsmobilisiert.
Da es kaum mehr Freiwillige gibt, werden die wehrpflichtigen Männer, die sich nicht freikaufen oder ins Ausland fliehen konnten, gejagt und ins Militär verschleppt, wo sie mit Gewalt in den Kampf gezwungen werden. Die europäischen Unterstützerländer, allen voran Deutschland, schweigen über die Zustände in der Ukraine und beschwören desinformativ die angebliche Resilienz und Heldenhaftigkeit der Bevölkerung. Wie immer der Krieg ausgehen wird, wird es einen vermutlich gewaltsamen Konflikt zwischen den Jägern und den Gejagten, zwischen den Kriegsbefürwortern und den Verweigerern in der Ukraine geben.
Schnell eilten der Kommandeur der Nationalgarde, Budanow, Ex-Chef des Militärgeheimdienstes und jetzt des Präsidialamts, und Vertreter von Asow an den Ort. Das zeigt, wie sensibel die Aufdeckung eines der Gefängnisse der Elite-Truppe Asow ist, die nicht nur entscheidend für den militärischen Widerstand ist, sondern weiterhin ein Privatunternehmen ist. In dem Gefängnis wurden die Deserteure offenbar misshandelt. Manche waren dort angeblich seit Wochen. Es scheint auch um Geld gegangen zu sein. Familienangehörige sollen unter Druck gesetzt worden sein, für die Freilassung zu zahlen.
Am Beginn des Aufruhrs stand das Gerücht, dass in dem Haus 40 Männer, bewacht durch Bewaffnete, eingesperrt seien, einige schwer verletzt, einer sei gestorben. Sie seien gefoltert worden. Demonstranten forderten die Freilassung der inhaftierten Männer. Die Polizei weigerte sich, das Haus zu kontrollieren. Es kamen Krankenwagen. Eine Rettungssanitäterin flehte die Polizisten an, sie zu den Männern im Haus zu lassen, die dringend medizinische Hilfe benötigten. Die Pressestelle der Polizei meldete: „Die Informationen über die angebliche rechtswidrige Inhaftierung von Personen und den Tod eines Bürgers sind nicht wahr.“
Schließlich wurden Männer freigelassen. Vier mussten ins Krankenhaus zur Behandlung gebracht werden, andere hatten sichtbare Spuren von Schlägen im Gesicht. Sie hatten wohl Angst zu erzählen, wie sie behandelt wurden, und sagten, es sei alles in Ordnung. Warum die Männer nicht zuvor ins Krankenhaus gebracht wurden, wenn sie ihre Verletzungen nicht in dem Gebäude erlitten haben, wie behauptet wurde, bleibt ungeklärt.
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