Von Daniel Michaels (Übersetzung/Einleitung: Thomas Röper) – 4. November 2026

Wie das Wall Street Journal berichtet, sieht der neue NATO-Verteidigungsplan vor, im Falle eines Konfliktes mit Russland automatisch zu eskalieren und Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen. Wenn diese Strategie Erfolg hätte, wäre das Ergebnis ein Atomkrieg in Europa.
Vor zwei Wochen habe ich über die neue Strategie der NATO für einen Krieg gegen Russland berichtet, die NATO-Oberbefehlshaber Grynkewich in Warschau unter dem Titel „Theory of Victory“ vorgestellt hat. Diese Strategie sieht vor, dass die NATO im Falle eines militärischen Zusammenstoßes schnell zu Langstreckenangriffen tief in russisches Gebiet übergeht. Mit anderen Worten: Die Strategie setzt auf eine schnelle militärische Eskalation anstatt auf den Versuch, einen verheerenden Krieg irgendwie im letzten Moment abzuwenden.
Die Strategie blendet in ihren veröffentlichten Versionen die Gefahr einer nuklearen Eskalation aus, sie wird nirgends erwähnt. Das ist schon deshalb auffällig, weil die Strategie darauf setzt, Russland durch Langstreckenangriffe auf strategische Ziele entscheidend zu schwächen, was jedoch laut der russischen Nukleardoktrin zu einer nuklearen Antwort führen würde. Das ist allgemein bekannt, weshalb sich die Frage stellt, warum die NATO das in ihrer Strategie nicht berücksichtigt.
Die Antwort ist offensichtlich: Natürlich berücksichtigt die NATO das, und sie bereitet sich darauf auch aktiv vor, nur steht das nicht in der veröffentlichten Version der „Theory of Victory“. Dass das so ist, zeigen die eiligen Vorbereitungen der NATO auf die Stationierung von Atomwaffen in Finnland und den baltischen Staaten, also unmittelbar an der russischen Grenze, auf die ich in meinem Artikel von vor zwei Wochen hingewiesen habe.
Mit anderen Worten: Die NATO bereitet aktiv einen Atomkrieg in Europa vor. Und sie bringt Russland – wie schon Anfang 2022 vor der Eskalation in der Ukraine – in eine Zwickmühle, denn damit Russland steht vor der Wahl, entweder abzuwarten, ob die NATO einen Vorfall unter falscher Flagge organsiert, Russland diesen Vorfall vorwirft und dann schnell zu Angriffen tief im russischen Hinterland übergeht – und dazu die dann im Baltikum stationierten Atomwaffen verwendet -, oder aber im Falle eines Konfliktes selbst sofort atomar zuzuschlagen, um die Atomwaffen der NATO an seiner unmittelbaren Grenze auszuschalten.
Das Wall Street Journal bestätigt meine Befürchtungen nun, denn es berichtet über die neue NATO-Strategie, die eine schnelle Eskalation eines militärischen Konfliktes mit Russland vorsieht, wobei auch in deren Artikel explizit darauf hingewiesen wird, dass „eine Eskalation bis hin zum Einsatz von Atomwaffen in dieser Strategie nicht vorgesehen“ sei, was schlicht unrealistisch ist, denn sollte die Strategie Erfolg haben, wäre Russland zum Einsatz seiner Atomwaffen gezwungen, um eine vernichtende Niederlage abzuwenden.
Ich habe den Artikel des Wall Street Journal übersetzt, damit sich jeder selbst seine Gedanken dazu machen kann.
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