Aldi DX: Mehr als jeder dritte Job wird abgebaut

Von Dietmar Gaisenkersting – 29. April 2026

Am Montag übertraf die Aldi-DX-Geschäftsführung die schlimmsten Befürchtungen der Belegschaft. Via Online-Meeting informierte sie darüber, dass bei der IT-Tochter von Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr insgesamt mehr als jeder dritte Arbeitsplatz wegrationalisiert wird. Nachdem bereits im letzten Jahr innerhalb kurzer Zeit 400 Beschäftigte ihren Job verloren hatten, sollen nun weitere 1150 Stellen gestrichen werden. Von den einst 4300 Beschäftigten sollen bis Ende 2027 nur noch 2750 übrigbleiben.

In den letzten Wochen hatten die Beschäftigten, die die Software für 7500 Aldi-Süd-Filialen auf vier Kontinenten entwickeln, bewiesen, dass sie gewillt sind, der Geschäftsleitung entgegenzutreten. Am 31. März wählten über 2000 von ihnen einen Wahlvorstand, der erstmals die Wahl eines Betriebsrats vorbereiten soll.

In unserem letzten Artikel haben wir die Kampfbereitschaft der Belegschaft unterstützt und gleichzeitig gewarnt, sich nicht auf die Wahl eines Betriebsrats zu verlassen, sondern gleichzeitig ein Aktionskomitee zu gründen, das an der Betriebsratswahl teilnimmt und den Kampf zur Verteidigung der Arbeitsplätze aufnimmt.

Im zukünftigen Betriebsrat werden mit Sicherheit auch Vertreter von Listen sitzen, die getreu dem Betriebsverfassungsgesetz den drastischen Stellenabbau regeln wollen – per Sozialplan und „Vermittlungsbörsen“, wie dies Mülheims Oberbürgermeister Marc Buchholz (CDU) bereits vorgeschlagen hat. Das hieße, den Kampf zur Verteidigung der Arbeitsplätze aufzugeben, bevor er überhaupt begonnen hat.

Was wäre die Folge? Viele der meist jüngeren Beschäftigten haben gerade erst Familien gegründet, Wohneigentum erworben, sprich: ihre Zukunft mit dem Job bei Aldi DX verbunden. Und das in gutem Glauben, denn die IT-Tochter hatte erst vor wenigen Jahren expandiert und mit relativ guten Arbeitsbedingungen die damals begehrten IT-Experten und Fachkräfte aus aller Welt angeworben.

Nun soll damit Schluss sein. Das ist für alle Betroffenen ein Schlag, für die internationalen Kolleginnen und Kollegen ist es ein doppelter. Ihre Aufenthaltserlaubnis in Deutschland ist meist mit ihrem Arbeitsplatz verbunden, häufig sind sie im Besitz einer sogenannten Bluecard oder „Blauen Karte EU“. Wenn sie nicht innerhalb von drei bis sechs Monaten einen anderen, gutbezahlten Job finden, erlischt die Aufenthaltsgenehmigung.

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