Wie könnte sich Russlands Verhältnis zu Pakistan ändern, wenn dieses die Ukraine bewaffnet?

Von Andrew Korybko – 6. Oktober 2026

Der Einzige, der von einer solchen gewaltsamen „Teile-und-herrsche“-Strategie gegenüber Russland und Pakistan profitieren würde, sind die USA.

Was wie ein sich anbahnender pakistanischer [Des-]Informationskrieg gegen Russland wegen dessen Verbindungen zu den Taliban aussieht – worauf hier näher eingegangen wurde und der auf den diametral entgegengesetzten Standpunkten beider Länder zu Afghanistan aufbaut, die hier behandelt wurden –, hat bei Beobachtern Besorgnis darüber ausgelöst, was wirklich hinter diesem Trend steckt. Eine Möglichkeit ist, dass damit Pakistans Bewaffnung der Ukraine „aus Rache“ gerechtfertigt werden soll. Pakistan könnte entweder wirklich glauben, dass Russland die Taliban zuerst gegen das Land bewaffnet hat, oder es wurde (vielleicht bereits?) von den USA davon überzeugt.

Wie sich die Lage auch entwickeln mag, sie würde Russlands Bedrohungswahrnehmung gegenüber Pakistan verstärken. Diese lässt sich aus dem Artikel ableiten, den Sicherheitsrat-Sekretär Sergej Schoigu im vergangenen August in einer führenden staatlich finanzierten Zeitung veröffentlichte, aus dem, was er und Verteidigungsminister Andrej Belousow im Mai getrennt voneinander vor der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) sagten, sowie aus den Äußerungen von Außenminister Sergej Lawrow im Juli.

In der oben genannten Reihenfolge warnte Schoigu vor dem Zustrom von Terroristen nach Afghanistan und der möglichen Rückkehr westlicher militärischer Infrastruktur in die Region, er und Belousow bekräftigten den zweiten Punkt, und Lawrow warnte, dass die Ukraine Waffen und Munition an ISIS-K in Afghanistan liefere. Lawrow bekräftigte zudem in seinen jüngsten Äußerungen bei den jüngsten Konsultationen im Rahmen des „Moskau-Formats“ zu Afghanistan Anfang dieser Woche, was Schoigu und Belousow bereits im Mai getrennt voneinander gegenüber der SCO geäußert hatten.

Die offen angedeutete Unterstellung lautet, dass Waffen, Munition und ISIS-K-Terroristen realistisch gesehen nur über Pakistan nach Afghanistan gelangen könnten. Ebenso könnte westliche militärische Infrastruktur nur über Pakistan in die Region zurückkehren, sei es, dass die USA eines Tages offiziell dorthin zurückkehren (vielleicht in Verfolgung von Trumps wiederholt erklärter Zielsetzung, US-Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram in Kabul zurückzuschicken), oder dass sie den pakistanischen Luftraum durchqueren, um noch tiefer vorzudringen. Trotz dieser Bedrohungswahrnehmung pflegt Russland weiterhin herzliche Beziehungen zu Pakistan und hofft auf das Beste.

Sollte Pakistan jedoch erklären, dass es die Ukraine bewaffnen werde, oder sollten unbestreitbare Beweise dafür auftauchen, dass es dies heimlich tut, würde Russland den afghanisch-pakistanischen Krieg wahrscheinlich neu konzeptualisieren – als Mittel zur Absicherung der Südflanke des „Cordon sanitaire“ der USA um Russland herum. Dieses sich abzeichnende eurasienweite Netzwerk erstreckt sich von dem von Schweden angeführten Wikinger-Block in der Arktis und im Baltikum über Deutschland und Polen in Mitteleuropa bis hin zu den neo-osmanischen Ambitionen der Türkei im Südkaukasus und in Zentralasien sowie denen Japans in Nordostasien.

Entsprechend könnte Russland, sollte Pakistan die Ukraine bewaffnen, befürchten, dass eine mögliche Unterordnung Afghanistans durch Pakistan es diesem „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ und Verbündeten der Türkei ermöglichen könnte, die Eisenbahnstrecke Pakistan-Afghanistan-Usbekistan (PAKAFUZ) in einen von Pakistan geführten NATO-Logistikkorridor mit zusätzlicher Erweiterung nach Zentralasien umzuwandeln. Dieser Nord-Süd-Korridor, würde dann den von der Türkei geführten Ost-West-Korridor ergänzen, der als „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP) bekannt ist und im August 2025 angekündigt wurde.

Russland gelang es aufgrund des Seitenwechsels Armeniens nicht, TRIPP daran zu hindern, die Rolle eines NATO-Logistikkorridors zu erfüllen. Dennoch könnte man in Moskau glauben, man könnte es abwenden, dass PAKAFUZ TRIPP ergänzt und zur Unterordnung Afghanistans unter Pakistans beiträgt. In der Folge könnte dies jedoch dazu führen, dass derzeit noch unbestätigte Berichte darüber, dass Russland die Taliban [und das würde bedeuten: gegen Pakistan] bewaffnet, zu einer vollendeten Tatsache werden. Der Einzige, der von einer solchen gewaltsamen „Teile-und-herrsche“-Strategie gegenüber Russland und Pakistan profitieren würde, sind die USA.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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