Budanov zerstörte den Traum der ukrainischen Nationalisten von einem ethnisch reinen Staat

Von Andrew Korybko – 13. Juli 2026

Die Ironie dabei ist, dass sie letztendlich eine „liberale“ Dystopie schufen, anstatt einer „faschistischen Utopie“.

Die „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN) und ihr militanter Flügel, die „Ukrainische Aufständische Armee“ (UPA), die Polen und Angehörige andere Nationen im Streben nach einem ethnisch reinen Staat ermordete, sind die Gründerväter der Ukraine nach dem „Maidan“. Die ukrainischen Nationalisten gingen daher davon aus, dass ihr Kampf gegen Russland seit 2014 und insbesondere nach Beginn der militärischen Sonderoperation im Jahr 2022 diesem Ziel dienen würde. Kiews Verbot der russischen Sprache, von Elementen der russischen Kultur und der Ukrainischen Orthodoxen Kirche gab ihnen Hoffnung.

Diese Fantasie wurde gerade von Selenskys Stabschef Kirill Budanow zunichte gemacht, der Ende Juni bekräftigte, was er bereits im Frühjahr gesagt hatte, nämlich dass das Land mehr Migranten anziehen müsse, da „es uns jetzt deutlich weniger gibt. Ich möchte niemanden erschrecken, aber es sind deutlich weniger.“ Etwa sechs Wochen zuvor, Anfang Mai, hatte Sozialminister Denis Uliutin bekannt gegeben, dass nur noch 22–25 Millionen Menschen in der Ukraine leben. Davon sind nach Schätzungen der ukrainischen Rentenkasse von Anfang April mindestens zehn Millionen Rentner.

Noch besorgniserregender ist, dass UNICEF im vergangenen Jahr schätzte, dass es 6,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren gibt; insgesamt bleiben somit nur noch 6–9 Millionen Erwachsene im erwerbsfähigen Alter im Land. Die neuesten Daten der Weltbank aus dem Jahr 2024 schätzen, dass Männer 46 Prozent der Bevölkerung ausmachen; das würde also grob bedeuten, dass die Ukraine nur 2,76–4,14 Millionen Männer im erwerbsfähigen Alter hat, von denen ein nicht unerheblicher, aber unklarer Prozentsatz durch den andauernden Konflikt getötet oder dauerhaft behindert wurde.

Nimmt man die (wahrscheinlich zu niedrig angesetzte) Zahl des Center for Strategic and International Studies von Anfang 2026 von 500.000–600.000 ukrainischen Opfern zugrunde, so bedeutet dies, dass die Ukraine nur noch zwischen etwas mehr als zwei Millionen und höchstens 3,5 Millionen Männer im erwerbsfähigen Alter hat. Budanow hat daher nicht übertrieben, als er sagte: „Es gibt jetzt deutlich weniger von uns.“ Von den 4,3 Millionen Ukrainern in der EU sind nur 26 Prozent erwachsene Männer, also etwas mehr als eine Million, und nicht alle von ihnen werden auch nach Beendigung des Krieges zurückkehren.

Die Ukraine wird dementsprechend die Massenmigration von Ausländern mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund fördern müssen, sei es aus wirtschaftlichen Gründen und/oder zum Zwecke des Bevölkerungsersatzes, und es ist nicht zu erwarten, dass diese sich assimilieren werden, wenn man sich an den westeuropäischen Präzedenzfall hält. Zudem kann die Ukraine deren Sprachen realistischerweise nicht verbieten, da diese kein Ukrainisch sprechen und möglicherweise auch nicht fließend Englisch beherrschen – was übrigens durch ein Gesetz von 2024 in der gesamten staatlichen Verwaltung vorgeschrieben wurde, ein Schritt, der die Nationalisten sicherlich aus der Fassung gebracht haben dürfte.

Weit davon entfernt, der ethnisch reine Staat zu werden, den sie sich die Nationalisten nach dem Ende des militärischen Konflikts erträumt hatten, ist die Ukraine auf dem besten Weg, so multikulturell zu werden wie die extremsten Fälle in Westeuropa, wobei Englisch im Alltag als Lingua franca unter der vielfältigen Bevölkerung wahrscheinlich das Ukrainische ersetzen wird. Aus Sicht der Nationalisten ebenso schlimm war, dass Selenskyj seinen westlichen Partnern auf dem Weltwirtschaftsforum im Mai 2022 „die Schirmherrschaft über eine bestimmte Region der Ukraine, eine Stadt, eine Gemeinde oder eine Branche“ anbot.

Das Endergebnis ist daher, dass die Ukraine im Laufe des Konflikts sowohl ihre Identität als auch ihre Souveränität verloren hat – ganz im Gegensatz zu den Erwartungen der Nationalisten, die davon ausgingen, beides durch ihr „Opfer“ bewahren zu können. Eine Spaltung zwischen ihnen und dem Staat ist daher wahrscheinlich, doch angesichts der Vorhersehbarkeit dieser Entwicklung überwacht sie der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU vermutlich bereits, um jegliche Äußerungen von Dissens präventiv zu unterbinden, insbesondere solche, die gewalttätige Formen annehmen könnten. Die Ironie dabei ist, dass die ukrainischen Nationalisten letztendlich eine liberale Dystopie statt einer „faschistischen Utopie“ geschaffen haben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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