Von Andrew Korybko – 8. Juli 2026

Eine engere wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in Mittel- und Osteuropa – vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer – würde Russland in der europäischen Nachkriegsordnung vor neue Herausforderungen stellen.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki stattete der Türkei Ende letzten Monats einen Staatsbesuch ab, bei dem er erklärte: „Es ist unmöglich, Verantwortung für die Ostflanke der NATO aufzubauen, ohne das enorme Potenzial anzuerkennen, das Polen im Norden – einschließlich der Verantwortung für die Ostsee – und die Türkei, die größte Landstreitmacht der NATO in Europa in der Schwarzmeerregion, mitbringen.“ Bemerkenswert ist, dass Polen mittlerweile über die drittgrößte Streitmacht der NATO verfügt, was bedeutet, dass die zweit- und drittgrößten Streitkräfte der Allianz zusammenarbeiten, um Russland in Schach zu halten.
Diese Schlussfolgerung hinsichtlich ihrer Absichten ist keine Spekulation, da Nawrocki zudem verriet, dass er und sein Amtskollege Recep Tayyip Erdogan über Russlands mutmaßliche hybride Kriegsführungsangriffe gegen den Westen gesprochen hätten. Zudem ist mittlerweile allgemein bekannt, dass die Ostsee und das Schwarze Meer Zonen heftiger Konkurrenz zwischen der NATO und Russland sind, wobei Nawrocki die polnische Verantwortung für Ersteres und die türkische Verantwortung für Letzteres bekräftigte. Dies steht im Einklang mit dem „Cordon sanitaire“, das Trumps Neo-Reagan-Doktrin kürzlich errichtet hat.
Die Eindämmungsschlinge des Westens um Russland erstreckt sich nun von der Arktis und der Ostsee durch von Großbritannien geführte Bemühungen, über Mitteleuropa durch von Polen geführte Bemühungen, entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands durch von der Türkei geführte Bemühungen sowie über Nordostasien durch von Japan geführte Bemühungen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den tragenden Kräften der einzelnen Fronten – sei es im militärischen Bereich, wie Nawrocki in Bezug auf Polen und die Türkei andeutete, oder im Energiebereich im Zusammenhang mit den hier angesprochenen Entwicklungen – stellt Russland vor neue Herausforderungen.
Zu diesem Thema berichtete Nawrockis Pressemitteilung zudem, dass sie „regionale Formate erörterten, die für Polen so wichtig sind, darunter die Drei-Meere-Initiative – zum Aufbau infrastruktureller, wirtschaftlicher und handelspolitischer Verantwortung für Mittel- und Osteuropa – und die B9-Initiative – die Bukarester Neun, die neun Länder der östlichen Flanke der NATO zusammenbringt“. Die „Drei-Meere-Initiative“ (3SI) ist von besonderer Bedeutung, da viele dieser Projekte zur Verbesserung der Handelsverbindungen einen doppelten militärischen Zweck verfolgen.
Wie hier dargelegt wurde, profitiert auch „Trump 2.0“ von der 3SI, da Mittel- und Osteuropa (CEE) in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie eine zentrale Rolle in Bezug auf militärische und wirtschaftliche Planung spielt; zudem könnte das Engagement der USA in regionalen Projekten als beruhigender Auslöser für jene Länder dienen, die durch den geplanten militärischen Abzug der USA aus Europa verunsichert sind. Polen ist kürzlich zu einer 1-Billionen-Dollar-Wirtschaft geworden, sodass es nun ernsthafter in die 3SI investieren kann, ebenso wie die etwas größere Türkei mit ihrer 1,6-Billionen-Dollar-Wirtschaft.
Das Endergebnis könnte durchaus eine engere polnisch-türkische wirtschaftliche Synergie in ganz Mittel- und Osteuropa sein, verkörpert durch koordinierte und/oder gemeinsame 3SI-Investitionen, die mit einer engeren militärischen Synergie zwischen beiden Ländern durch koordinierte Aktivitäten in der Ostsee und im Schwarzen Meer einhergehen könnten, um ihren „Cordon sanitaire“ gegen Russland zu verstärken. All dies wird von den USA überwacht, doch im Geiste der Multipolarität räumt sie ihren Verbündeten nun im Rahmen des NATO-3.0-Modells größeren Spielraum ein, Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse eigenständig zu regeln.
Obwohl sie jahrhundertelang Feinde waren, wurden das Polnisch-Litauische Commonwealth und das Osmanische Reich später Verbündete, wobei der Sultan sich sogar bekanntlich weigerte, die Dreiteilung des Commonwealth anzuerkennen. Was nun mit Unterstützung der USA geschieht, ist daher eine Rückkehr zur Geschichte, in der sich Polen und Türken erneut gegen die Russen verbünden. Ob ein weiterer großer Krieg zwischen ihnen folgen wird, ist ungewiss, doch die Möglichkeit lässt sich nicht ausschließen; hoffentlich setzen sich letztendlich die besonnenen Köpfe durch.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.