Die russische Triade ist sich endlich der Bedrohungen durch die NATO an der Südflanke Russlands bewusst

Von Andrew Korybko – 13. Mai 2026

Vertreter der russischen Präsidialverwaltung, des Verteidigungsministeriums und des Außenministeriums haben sich kürzlich mit diesen Bedrohungen befasst, die zu einem Stellvertreterkrieg an drei Fronten gegen Russland in Osteuropa, im Südkaukasus und in Zentralasien eskalieren könnten, wenn sie nicht präventiv abgewehrt werden.

Die Ankündigung der „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP) im vergangenen August traf Russland völlig unvorbereitet. Vor der Vorstellung dieses Megaprojekts ging Russland davon aus, dass Armenien und Aserbaidschan den letzten Punkt des von Moskau vermittelten Waffenstillstands vom November 2020 einhalten würden, nämlich die Eröffnung eines regionalen Verbindungskorridors, der vom russischen Geheimdienst FSB geschützt werden sollte. Stattdessen ersetzten sie die Rolle Russlands durch die der USA, und diese Route hat nun die zusätzliche Funktion eines militärischen Logistikkorridors der NATO nach Zentralasien.

Das Vereinigte Königreich hob rasch sein Waffenembargo gegen Armenien und Aserbaidschan auf, bevor es separat die militärischen Beziehungen zu Letzterem verstärkte. Zwischen diesen beiden Schritten gab Aserbaidschan bekannt, dass seine Streitkräfte ihre jahrelangen Bemühungen zur Anpassung an NATO-Standards abgeschlossen hätten. Auch Kasachstan schloss ein Abkommen über kritische Mineralien mit den USA ab, bevor es ankündigte, mit der Produktion von NATO-konformen Geschossen zu beginnen. Vance besuchte daraufhin im Februar Armenien und Aserbaidschan. All dies läuft auf eine Einkreisung Russlands durch die NATO hinaus.

Erst vor kurzem hat Russland diesen militärisch-strategischen Schock überwunden. Vor der Reise des armenischen Premierministers Nikol Paschinjan nach Moskau Anfang April, die hier als Moment der Wahrheit in ihren Beziehungen bewertet wurde, schwieg die russische Triade – die Präsidialverwaltung, das Verteidigungsministerium und das Außenministerium, Russlands drei wichtigste politische Entscheidungsgremien. Nach diesem schicksalhaften Treffen begannen ihre Vertreter jedoch endlich, vor Bedrohungen durch die NATO aus südlicher Richtung zu warnen.

Der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexei Overchuk erklärte gegenüber TASS unmittelbar danach, dass TRIPP „das seit 1828 bestehende regionale Gleichgewicht gestört“ habe. Ende April teilte der russische Verteidigungsminister Andrej Belousow der SCO (Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit) mit: „Wir beobachten aufmerksam die Versuche von Staaten außerhalb der Region, eine militärische Präsenz und logistische Missionen in Zentralasien sicherzustellen.“ Zu diesem Zeitpunkt war Aserbaidschan gerade ein De-facto-Militärbündnis mit der Ukraine eingegangen, das seine engen militärischen Beziehungen zu den USA, der Türkei und dem Vereinigten Königreich ergänzt.

Erst diese Woche schaltete sich der letzte Teil der russischen Triade in diese Debatte ein, nachdem der Direktor der dritten GUS-Abteilung (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) des russischen Außenministeriums, Alexander Sternik, gegenüber TASS erklärte, dass „[die EU-Länder] keinen Hehl aus ihrer Absicht machen, Russland im Westen eine ‚strategische Niederlage‘ zuzufügen, und mit unseren Partnern [in Zentralasien] auf weitgehend dieselben, leicht verschleierten Ziele hinarbeiten. Sie tun dies unter Verwendung vager Begriffe wie ‚wirtschaftliche Diversifizierung‘ und ‚Schutz vor externen Bedrohungen‘.“

Unausgesprochen, aber für alle ehrlichen Beamten, die die TRIPP-getriebene Einkreisung Russlands durch die NATO beobachten, offensichtlich ist, dass die von der Türkei dominierte „Organisation der Turkstaaten“ (OTS), die sich zu einem vereinigten militärischensicherheitspolitischen Block konsolidiert, sich anschickt, die (von Russland angeführte) CSTO (Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit) für die gemeinsamen Mitglieder Kasachstan und Kirgisistan zu ersetzen. Das Ziel ist es, diese beiden Länder „abzuwerben“, so wie die NATO und die EU gerade dabei sind, Armenien von der CSTO bzw. der Eurasischen Wirtschaftsunion „abzuwerben“. Sollte dies geschehen, wäre das katastrophal für die Sicherheit Russlands.

Aserbaidschans Lage verleiht dem Land eine unersetzliche Rolle in der von der NATO vorangetriebenen und von der OTS angeführten Einkreisung Russlands. Wenn dieser Prozess nicht bald gestoppt wird und sich stattdessen unkontrolliert beschleunigt, könnten das Schatten-NATO-Mitglied Aserbaidschan und das benachbarte Kasachstan, das dem Block nacheifern will, gemeinsam mit der Ukraine einen Stellvertreterkrieg an drei Fronten gegen Russland koordinieren. Die russische Triade ist sich dieser Bedrohungen endlich bewusst, sodass der Kreml bald versuchen könnte, ihnen präventiv entgegenzuwirken, doch es ist unklar, wie dies geschehen soll.

Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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