April 1945:  Kriegsende in Mecklenburg

Von Heidewig Feuerherdt – 1. Juni 2026

Bis heute erinnert sich die Bevölkerung Mecklenburgs an die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, als die faschistischen Armeen auf dem Rückzug aus der Sowjetunion waren und die Rote Armee unter hohen Verlusten auf dem Vormarsch nach Berlin. 27 Millionen sowjetischer Bürger, Soldaten und Zivilisten, haben in dem von Hitler begonnenen Vernichtungskrieg ihr Leben verloren. Das Land war zerstört und verwüstet. 

Die an den Wänden des Berliner Reichstagsgebäudes gefundenen Graffitis zeugen vom Siegestaumel der sowjetischen Soldaten, die sich, erschöpft von den Kämpfen um Berlin, hier „verewigt“ haben. Der Deutsche Denkmalschutz respektierte seinerzeit die historischen Zeugnisse, indem er die russische Botschaft bei der Renovierung des Gebäudes bat, selbst zu bestimmen, welche Inschriften erhalten bleiben sollten. 

Während die Dankbarkeit der Bundesrepublik Deutschland gegenüber den Amerikanern bis heute betont und gefeiert wird, schwindet das Wissen, dass die Schlacht um Berlin allein von der Roten Armee gewonnen wurde. Diesen Sieg hat die Sowjetunion teuer erkauft. Die Amerikaner warteten an der Elbe. Es mehren sich die Stimmen, die sowjetische Gedenkstätten und Mahnmale beseitigen wollen. Das wäre Geschichtsfälschung. Das Verschweigen der historischen Rolle des Sowjetstaates beim Sieg über Nazideutschland und der Befreiung der Deutschen aus der Diktatur prägt inzwischen auch die Feierlichkeiten zum 8./9. Mai, der Unterzeichnung der deutschen Kapitulation in Reims und in Berlin-Karlshorst. Es ist polizeilich verboten, an diesen Tagen russische, belarussische oder sowjetische Flaggen an den sowjetischen Ehrenmalen und Friedhöfen zu zeigen.

In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1945 sucht man im Führerbunker in Berlin durch die Einbestellung der höchsten Offiziere der deutschen Luftwaffe einen Oberbefehlshaber der Luftwaffe als Nachfolger für Göring, der in Ungnade gefallen war.

Die Flugerprobungsstelle Rechlin am Südufer der Müritz in Mecklenburg ist zu diesem Zeitpunkt der einzige noch verfügbare Flugplatz in der näheren Umgebung von Berlin. Eine junge Frau hat Nachtdienst im Fernmeldeamt Neustrelitz und erhält einen Anruf aus Berlin, den sie zum Flugplatz Rechlin durchstellt. Entgegen jeder Weisung hört sie das Sonder-Ausnahmegespräch ab – es ist so langweilig nachts und weit und breit kein Zeuge, der sie verraten könnte. Gisela Behm achtet aber sorgfältig darauf, dass es in der Leitung nicht knackt.

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