Von Thomas Röper – 29. April 2026

Russland hat angekündigt, die Lieferungen von kasachischem Öl durch die Druschba-Pipeline nach Deutschland zum 1. Mai einzustellen. Die sichere Folge werden höhere Treibstoffpreise in Berlin und Brandenburg sein, mittelfristig sind auch Versorgungsengpässe möglich. Warum hat Russland sich zu diesem Schritt entschieden
Die Ankündigung Russlands, die Lieferungen von kasachischem Öl durch die Druschba-Pipeline nach Deutschland zum 1. Mai einzustellen, hat in Deutschland nicht viele Schlagzeilen gemacht, obwohl die Folgen schwerwiegend werden können. Der Spiegel berichtete darüber nur in zwei kurzen Artikeln. Der erste war eine Kurzmeldung über die russische Entscheidung, im zweiten Artikel mit der Überschrift „Russische Pipeline-Blockade – Warum Sprit und Heizöl in Berlin und Brandenburg bald noch teurer werden könnten“ schrieb der Spiegel in der Einleitung:
„Russland will ab Mai kein kasachisches Öl mehr zur PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt transportieren. Das hätte erhebliche Folgen für die deutsche Energieversorgung – vor allem im Osten.“
Über die möglichen Gründe für die russische Entscheidung erfahren wir in dem Spiegel-Artikel nicht viel. Einerseits ist das nicht überraschend, weil Russland sich dazu nicht wirklich geäußert, sondern nur von „technische Möglichkeiten“ gesprochen hat, wie auch der Spiegel korrekt berichtet. Man kann über die Gründe also nur spekulieren, allerdings liegen sie im Grunde auf der Hand, wie wir gleich sehen werden.
Bevor wir zu den Spekulationen über die Gründe kommen, will ich kurz auf die Hintergründe eingehen.
Die Raffinerie Schwedt und die Druschba-Pipeline
Die Raffinerie Schwedt gehört dem russischen Konzern Rosneft. Deutschland hat den Konzern nach der Eskalation in der Ukraine de facto enteignet und die Raffinerie unter Treuhandverwaltung durch die Bundesnetzagentur gestellt. Außerdem hat Russland den Import von russischem Öl, mit dem Raffinerie Schwedt über die Druschba-Pipeline versorgt wurde, verboten. Die Raffinerie wird seitdem über die Druschba-Pipeline mit Öl aus Kasachstan und über Ölimporte mit Tankern über die Häfen in Rostock und Danzig versorgt.
Die Druschba-Pipeline hat in den letzten Wochen wegen des ukrainischen Lieferstopps von russischem Öl nach Ungarn und in die Slowakei Schlagzeilen gemacht, daher muss ich auch das kurz erklären. Die Pipeline führt aus Russland nach Weißrussland, wo sie sich in einen nördlichen und einen südlichen Strang aufspaltet. Der nördliche verläuft durch Polen nach Deutschland und war von der ukrainischen Blockade nicht betroffen, der südliche hingegen, den die Ukraine von Ende Januar bis letzte Woche blockiert hat, verläuft durch die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei.