Drei Szenarien, wie der Angriffskrieg gegen den Iran enden könnte

Von Andrew Korybko – 2. März 2026

Entweder überlebt die Islamische Republik den jüngsten Angriff USA-Israels, der Iran geht den Weg Venezuelas oder es setzt eine „Balkanisierung“ des Landes sein.

Der gemeinsame militärische Angriff der USA und Israels auf den Iran zielt offiziell darauf ab, das Land zu entmilitarisieren und seine Regierung zu stürzen. Der Konflikt hat gerade erst begonnen, aber Ayatollah Ali Khamenei wurde bereits zusammen mit mehreren hochrangigen Militärs getötet. Dies könnten jedoch eher symbolische als substanzielle Siege für die Angreifer sein, da der Iran bereits Nachfolgepläne ausgearbeitet hat. Auf jeden Fall gibt es drei Szenarien, wie der Krieg enden könnte, von denen keines eine eindeutige Niederlage der USA und Israels durch den Iran vorsieht.

Das liegt daran, dass Israel und die USA den Iran zerstören könnten, wenn sie es wirklich wollten, auch mit Atomwaffen, obwohl sie sich derzeit [noch] zurückhalten, in der Hoffnung, dass eine den USA und Israel freundlich gesinnte Regierung die unfreundliche ablösen und die frühere Rolle des Iran als einer ihrer wichtigsten regionalen Verbündeten wiederherstellen wird. Daher ist höchstens zu erwarten, dass der Iran Israel und möglicherweise den Golfstaaten und/oder den regionalen US-Streitkräften schweren Schaden zufügt, bevor er von Israel und/oder den USA zerstört wird. Diese Einschätzung bildet den Rahmen für die folgenden drei Szenarien:

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1. Die Islamische Republik überlebt den jüngsten Angriff

In diesem Szenario fügt der Iran Israel und möglicherweise den Golfstaaten und/oder den regionalen US-Streitkräften Schaden zu, ohne ihnen jedoch inakzeptablen Schaden zuzufügen, der Israel und/oder die USA dazu veranlassen würde, ihn zu zerstören, sodass beide Seiten wie im letzten Sommer halbwegs glaubhaft den Sieg über ihre Feinde für sich beanspruchen könnten. Ein deutlich geschwächter Iran könnte sich dann entweder den USA unterordnen, indem er Vereinbarungen über sein Militär, sein Atomprogramm, seine Energieindustrie und/oder seine Bodenschätze trifft, oder aber von der Region isoliert und innerhalb dieser eingedämmt werden.

2. Der Iran geht den Weg Venezuelas

Mitte Januar wurde eingeschätzt, dass „die USA das venezolanische Modell im Iran wiederholen wollen“, und zwar durch eine „Regimeanpassung„, bei der den USA wohlgesonnene Mitglieder der amtierenden Regierung an die Macht gebracht werden, um das Land und seine Rohstoffindustrie als US-Stellvertreter zu regieren (und damit China den Zugang zu diesen Ressourcen zu verwehren). Ein Staatsstreich durch ideologiefreie und anpassungsbereite Mitglieder der IRGC ist das womöglich realistischste Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Sollte der Iran jedoch erneut zu einem wichtigen Verbündeten der USA werden, könnte er sich der Türkei anschließen, um Russland im Südkaukasus und in Zentralasien herauszufordern.

3. Die „Balkanisierung” beginnt

Das absolut schlimmste Szenario wäre , dass eine „Balkanisierung” des Iran einsetzt, sei es durch (vermutlich vom Ausland bewaffnete und möglicherweise auch ausgebildete) Separatisten in den von Minderheiten bewohnten Gebieten an der Peripherie des Landes, die Städte einnehmen, und/oder durch eine direkte Intervention seiner Nachbarn zu diesem Zweck, insbesondere des von der Türkei unterstützten Aserbaidschans. Auch Pakistan könnte sich unter dem Vorwand der Bekämpfung der als terroristisch eingestuften belutschischen Separatisten einmischen, und diese Möglichkeit könnte erklären, warum sein Premierminister gerade seine lang erwartete Reise nach Russland abgesagt hat.

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Derzeit sind alle drei Szenarien gleichermaßen möglich, aber die Einschätzung kann sich je nach den Ereignissen schnell ändern, sodass nichts in Stein gemeißelt ist, außer der Unwahrscheinlichkeit, dass der Iran die USA und Israel zweifelsfrei besiegen könnte. In diesem Zusammenhang könnten iranische ballistische Raketen Israel allerdings enormen Schaden zufügen, während seine Anti-Schiffs-Raketen hypothetisch mindestens eines der US-Schiffe in der Region versenken könnten, aber jede dieser Möglichkeiten würde die USA wahrscheinlich dazu veranlassen, den Iran zu zerstören (und im Extremfall möglicherweise sogar einen Atomschlag in Betracht zu ziehen).

Aus Sicht des Iran besteht das beste Szenario daher darin, den von den USA und Israel wahrscheinlich erwarteten relativ schnellen Kriegsverlauf in einen langwierigen zu verwandeln, den Schaden für die Angreifer mit der Zeit zu vergrößern, aber darauf zu achten, ihre „roten Linien” nicht zu überschreiten, um eine Zerstörung zu vermeiden. Dieser Ansatz erfordert Geduld [und große Opferbereitschaft; die Red.], die ein Teil der Bevölkerung möglicherweise nicht aufbringt, und birgt zudem das Risiko, dass die Raketenkapazitäten des Iran neutralisiert werden, bevor sie bei Bedarf in großem Umfang eingesetzt werden können. Bei einer Umsetzung könnte der Iran jedoch halbwegs glaubhaft einen Sieg für sich beanspruchen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.


 

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