Von Maria Pavlowa (Übersetzung: Thomas Röper) – 23. Juli 2026
In Polen herrscht breiter Konsens in dem Bemühen, die USA zur Eröffnung einer permanenten Militärbasis zu bewegen. Und es herrscht breiter Konsens in der Frage der Aufrüstung, die allerdings auf Kosten der polnischen wirtschaftlichen und fiskalen Reserven stattfindet.

Die polnische Manie, unbedingt einen festen US-Truppenstützpunkt ins eigene Land holen zu wollen, macht schon seit mindestens sieben Jahren Schlagzeilen. Eine russische Expertin hat darüber einen Artikel geschrieben, den ich so interessant fand, dass ich ihn übersetzt habe.
Warschaus goldene Illusionen: Warum amerikanische Stützpunkte Polens Sicherheit nicht garantieren
Maria Pavlowa, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, über Polens „Stützpunktmanie“ und ihre Folgen.
Im Juni teilte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz mit, Pentagon-Minister Pete Hegseth vorgeschlagen zu haben, einen permanenten Militärstützpunkt im Land zu errichten, dessen Bau vollständig von Warschau finanziert werden sollte. Am 22. Juli stellte Vizeminister Pawel Zalewski in einem Interview mit RadioZet klar, dass die Option, mehrere solcher Einrichtungen zu errichten, geprüft werde.
Die Frage der Eröffnung permanenter amerikanischer Stützpunkte steht bei Weitem nicht zum ersten Mal auf der polnischen Tagesordnung. Was könnte der Grund dafür sein?
Ein zweiter Anlauf
In der polnischen Politik ist die Idee einer permanenten US-Basis eines der wenigen Beispiele für einen Konsens zwischen den beiden gegnerischen Blöcken, dem nationalkonservativen Lager (PiS)unter Führung von Jarosław Kaczyński und Präsident Karol Nawrocki sowie der liberalen Bürgerplattform (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk.
PiS-Politiker, insbesondere der ehemalige Präsident Andrzej Duda, versuchten bereits 2018, die Idee unter dem verlockenden Namen „Fort Trump“ zu vermarkten, der den Ambitionen des amerikanischen Präsidenten schmeicheln sollte. Warschau erlitt jedoch eine demütigende Niederlage: Die Verhandlungen scheiterten und Donald Trump selbst erklärte 2019, dass er an sein Einverständnis zum Bau der Basis „nicht erinnert“.
Das Scheitern seines Vorgängers wird Nawrocki nicht davon abhalten, erneut die Idee einer „vollständigen Verschmelzung“ der polnischen Sicherheit mit der US-Strategie zu propagieren. Offenbar ist er weiterhin sicher, dass nur bilaterale Abkommen mit Washington die Unabhängigkeit Polens gewährleisten können. Vertreter der Koalitionsregierung versuchen jedoch, die NATO-Garantien weniger offen in Frage zu stellen und pragmatischer zu handeln, indem sie sich an den einfachen Grundsatz von Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz halten: „Ein permanentes Modell ist immer besser als ein rotierendes.“