Von Andrew Korybko – 17. September 2026

Die Ukraine lässt bereits Drohnen durch den Luftraum der baltischen Staaten fliegen (vermutlich über Weißrussland). Sie hat darüber hinaus ein Interesse daran, die Kaliexporte Weißrusslands über Litauen zu verhindern, und somit ein Motiv, eine „False-Flag“-Provokation zu inszenieren.
Die NATO hat Anfang dieser Woche eine Drohne über Zentrallitauen abgeschossen, die laut offiziellen Angaben aus Weißrussland in den Luftraum des Bündnisses eingedrungen war und von Russland gesteuert wurde. Der Vorfall wird vorhersehbar dazu ausgenutzt, jüngsten Behauptungen Glaubwürdigkeit zu verleihen, wonach Russland angeblich plant, die Entschlossenheit der NATO auf die Probe zu stellen. Die Darstellung lautet, dass Russland hierfür hybride Mittel einsetzt, die unterhalb der Schwelle liegen, die einen Dritten Weltkrieg auslösen würde. So überzeugend das auch klingen mag – die kürzlich abgeschossene Drohne wurde wohl von der Ukraine gesteuert.
Der Luftraum der baltischen Staaten wird seit Anfang des Jahres als Korridor für ukrainische Drohnenangriffe gegen Russland genutzt. Während einige auf russischer Seite spekuliert haben, dass diese zunächst über Polen fliegen, ist es wahrscheinlicher, dass sie tatsächlich über Weißrussland fliegen, dessen Staatschef in dem Konflikt neutral bleibt, obwohl sein Land mit Russland verbündet ist. Präsident Alexander Lukaschenko könnte daher seinen Streitkräften befohlen haben, weder ukrainische Drohnen abzufangen noch russischen Streitkräften in Weißrussland dies zu gestatten.
Zum Hintergrund: Lukaschenko verhandelt mit den USA über das, was er als „großen Deal“ bezeichnete, wobei Trumps Sonderbeauftragter John Coale gerade versprochen hat, über 40 Millionen Dollar an eingefrorenen belarussichen Vermögenswerten im Zusammenhang mit Kalizahlungen freizugeben. Zuvor hatte er erklärt, sein Land wolle diese Ressource aus Weißrussland beziehen, um Landwirten zu helfen, die von der Störung des globalen Düngemittelmarktes durch den Irankrieg betroffen sind. In diesem Zusammenhang schlug Coale auch vor, dass der Export über Litauen erfolgen könnte, was den jüngsten Drohnenvorfall in einen Zusammenhang stellt.
Selenskyj verachtet Lukaschenko, seit zu Beginn der russischen Sonderoperation Anfang 2022 einige russische Truppen von Weißrussland aus in die Ukraine einmarschierten; deshalb drohte er ihm im Frühjahr mit dem Schicksal Maduros und drohte dann Anfang des Sommers mit großangelegten Drohnenangriffen auf Belarus. Zwar hat Selenskyj dies letztendlich nicht durchgezogen – angeblich, weil Lukaschenko seiner Forderung nachkam, die Drohnen-Relais-Sender entlang der Grenze abzuschalten –, doch steht die Ukraine eindeutig in Opposition zu Weißrussland.
Angesichts dieser Spannungen ist nicht auszuschließen, dass die Ukraine den jüngsten Drohnenvorfall inszeniert hat, um Vilnius einen Vorwand zu liefern, Coales Vorschlag abzulehnen, wonach belarussische Kaliexporte in die USA über litauische Häfen geleitet werden sollen. Dazu hätte eine erbeutete russische Drohne genutzt werden können. Litauen könnte daran beteiligt gewesen sein, da Vilnius ebenso gegen Weißrussland eingestellt ist wie Kiew, aber möglicherweise nicht den politischen Willen hat, sich den USA ohne einen „plausiblen Vorwand“ zu widersetzen, wie etwa den, dass Minsk „die russische Aggression gegen die NATO begünstigt“.
Der jüngste Drohnenvorfall in Litauen könnte daher ebenso eine „False-Flag“-Aktion sein wie der jüngste in Deutschland. Genauso wie es unwahrscheinlich ist, dass Russlands erstklassige Drohnenpiloten es trotz dreier Versuche nicht geschafft haben, den Flughafen Leipzig anzugreifen, ist es auch unwahrscheinlich, dass sie eine Drohne tief ins Zentrum Litauens fliegen ließen, anstatt ein Ziel in Vilnius anzugreifen, das direkt an der Grenze liegt. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass der risikoscheue Putin plötzlich alle Vorsicht über Bord geworfen hat, indem er die NATO provozierte – geschweige denn auf so halbherzige Weise, wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht.
Im Gegensatz dazu fliegt die Ukraine bereits Drohnen durch den Luftraum der baltischen Staaten (vermutlich über Weißrussland), hat ein Interesse daran, die Kaliexporte Weißrusslands über Litauen zu verhindern, und somit auch ein Motiv, eine False-Flag-Provokation zu inszenieren, um dem verbündeten Vilnius einen „plausiblen Vorwand“ zu liefern, den oben beschriebenen Vorschlag der USA abzulehnen. Möglicherweise hat Kiew sogar eine erbeutete russische Drohne eingesetzt, um diese Falschmeldung glaubwürdiger zu machen. Die USA sollten daher diesen jüngsten Drohnenvorfall untersuchen, um festzustellen, ob die Ukraine versucht hat, ihre Entspannung mit Weißrussland zu sabotieren.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.