Waffen, Öl und Mafiastrukturen

Von Angelika Gutsche – 27. Oktober 2026

In Libyen schreitet die Aufrüstung der lokalen Akteure voran. Auch Schmugglernetzwerke und der Missbrauch von Öleinnahmen spielen eine Rolle.

Während Libyens Territorium von ausländischen Militärs und Milizen überzogen und seine Militärbasen besetzt sind, offenbart ein aufschlussreicher Bericht aus dem Umkreis des UN-Sicherheitsrats, dass auch die Aufrüstung bei den militärischen Kräften des östlichen und westlichen Libyens auf Hochtouren läuft. In Libyen herrscht eine Kriegswirtschaft, von der viele profitieren, finanziert durch ein breites Schmuggelnetzwerk, das im großen Mafiastil illegale Öl- und Treibstoffgeschäfte betreibt.

Aufrüstung im östlichen und westlichen Libyen

Am 16. Oktober 2026 fand in der ostlibyschen Stadt Bengasi eine große Militärparade der Haftar-Truppen statt. Vorgeführt wurden neben weißrussischen Kamikaze-Drohnen des Typs Berkut-PM auch modifizierte US-amerikanische, gepanzerte Fahrzeuge mit Beobachtungs- und Bewaffnungssystemen, russische Systeme wie Raketenwerfer, Luftverteidigungssysteme und T-72-Panzer, chinesische Drohnen, türkische Kampfdrohnen und Kampfflugzeuge sowie französische Waffen.

Auch im Westen Libyens sind militärische Kräfte und Milizen bis an die Zähne bewaffnet. Der Zustrom von türkischen Panzerfahrzeugen und militärischer Ausrüstung setzte sich fort, außerdem wurde das Vorhandensein ukrainischer Drohnen spätestens durch die mit ihnen verübten Angriffe auf Öl- und Infrastrukturanlagen in az-Zawiya und Tripolis bestätigt.

Diese Aufrüstung beweise, dass gegen das vom UN-Sicherheitsrat mit der Resolution Nr. 1970 im Jahr 2011 verhängte Waffenembargo massiv verstoßen wird. Doch nicht nur bei der UN werde so getan, als dienten diese militärischen Machtdemonstrationen nur der Selbstdarstellung sowie der Einschüchterung der Bevölkerung. Diese Betrachtungsweise sei aber unvollständig und verschleiere, dass sich innerhalb Libyens ein tiefgreifender struktureller Wandel vollzogen hat, denn zur Unterdrückung von zivilen Straßenprotesten seien weder strategische Luftabwehrsysteme noch grenzüberschreitende Drohnen erforderlich. Anstatt nur Austragungsort ideologischer Konflikte oder eines traditionellen Stellvertreterkriegs zu sein, habe sich Libyen zu einem offenen Waffenmarkt gewandelt, der über die Grenzen internationaler Allianzen hinausgeht.

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