Deutschland im Gleichschritt: Die systematische Remilitarisierung einer Gesellschaft

Von Jochen Mitschka – 30. April 2026

Bild: Wikpedia (Teilbild)

Es ist Zeit, innezuhalten und zurückzublicken. Wie kam es dazu, dass nun Deutschland in der Welt wieder als Pickelhaubenpreußen oder Schlimmeres wahrgenommen wird, wie kam es zu der neuen Militarisierung des Landes nach dem verheerenden 2. Weltkrieg?

Es war ein Satz, der in einer anderen Zeit undenkbar gewesen wäre. Bundespräsident Joachim Gauck — ehemaliger DDR-Pastor, „Bürgerrechtler“, Mann des Wortes — stellte sich im Januar 2014 ans Podium der Münchner Sicherheitskonferenz und erklärte, Deutschland müsse bereit sein, „früher, entschiedener und substanzieller“ in der Welt zu agieren. Was folgte, war weniger eine außenpolitische Neuausrichtung als eine Geistesoperation: Die Deutschen, so die implizite Botschaft, müssten wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen — und wenn nötig, Opfer zu bringen.

Der Anfang: Ein Pastor ruft zum Opfer auf.

Gauck, der als Vertreter der so genannten Zivilgesellschaft galt, die aber längst von den politischen Parteien beherrscht wurde, der als angeblich moralische Instanz in das höchste Staatsamt gewählt worden war, lieferte damit etwas Wertvolles: Legitimation. Der Pastor als Kriegstrommler. Die Kirche als Vorhut der Aufrüstung. Es ist eine Ironie der Geschichte, die kaum zu übertreffen ist.

Doch was damals noch wie eine einzelne, vielleicht mutige Meinung wirkte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als koordinierter Auftakt.

Das Konzert der Reden: Synchronisierte Botschaften

Wer die Abfolge der Ereignisse im Jahr 2014 sorgfältig analysiert, stößt auf etwas Merkwürdiges. Innerhalb weniger Wochen hielten gleich drei hochrangige deutsche Politiker Reden, die thematisch so eng miteinander verwoben waren, dass Beobachter von einem abgestimmten Vorgehen sprachen: Gauck auf der Sicherheitskonferenz, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Alle drei forderten ein „engagierteres Deutschland“, alle drei verwendeten ähnliche Begriffe, ähnliche Argumentationslinien, ähnliche historische Einordnungen.

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