USA weiten Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran aus

Von Andre Damon – 19. Juli 2026

Zerstörung des Schiffstowers im iranischen Shahid-Kalantari-Hafen in der Stadt Tschahbahar. Das etwa 60 Meter hohe Gebäude diente der Überwachung und Koordinierung des Schiffsverkehrs in dem Frachthafen. Verteidigungsminister Pete Hegseth prahlte auf Social Media mit dem Angriff

Am Freitag, 17. Juli, dem siebten Tag der Angriffe in Folge, bombardierte das US-Militär Brücken, einen Bahnhof, einen Flughafen sowie den Kontrollturm des einzigen iranischen Tiefseehafens. Washington weitet damit seine Offensive von militärischen Zielen auf die zivile Infrastruktur aus.

Die iranischen Staatsmedien berichteten von Angriffen auf mindestens fünf Brücken in der südlichen Provinz Hormosgan, dabei kamen in der Hafenstadt Bandar Khamir sieben Menschen ums Leben; auch der Bahnhof wurde getroffen. Auch aus Sirik, Ahwas und Jesd wurden Explosionen gemeldet. Die neue Angriffswelle begann am Freitag um 15 Uhr Ostküstenzeit (21:00 Uhr deutscher Zeit).

Das iranische Energieministerium rief die Bevölkerung am Freitag auf, weniger Strom zu verbrauchen und bei Klimaanlagen zu sparen, da bei der vorherrschenden extremen Hitze die amerikanischen Angriffe auf das Energiesystem das Stromnetz belasten. Laut dem Gesundheitsministerium des Iran sind seit Wiederaufnahme der Kämpfe mindestens 38 Menschen durch die Angriffe getötet und mehr als 400 verwundet worden.

Angriffe auf zivile Infrastruktur sind Kriegsverbrechen. Das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs definiert „vorsätzliche gezielte Angriffe auf zivile Objekte, d.h. auf Objekte, die keine militärischen Ziele sind“, als Kriegsverbrechen. Das Völkerrecht, das für Washington und Teheran gleichermaßen gilt, obwohl beide die Verträge nicht ratifiziert haben, schützt „Trinkwasseranlagen und -versorgung“ ausdrücklich.

Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres erklärte am Freitag, Guterres sei „vor allem besorgt über Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran und der gesamten Region (…) Solche Angriffe sind inakzeptabel.“

Verteidigungsminister Pete Hegseth feierte die Zerstörung in den sozialen Medien. Am Freitag veröffentlichte er ein Foto, das den Einsturz des Hafen-Kontrolltower in Tschahbahar inmitten von Rauchwolken zeigt. Darunter war zu lesen: „Der Iran kontrolliert die SvH nicht“ [SvH – die 560 km entfernte Straße von Hormus.]

Iranische Regierungsvertreter erklärten, der Tower, der nach dem dritten Angriff eingestürzt sei, habe der Steuerung der Handelsschifffahrt sowie der Rettung von Fischern auf See gedient. Der politische Geschäftsführer des National Iranian American Council, Ryan Costello, bezeichnete Hegseths Post als „abstoßenden Online-Jubel über die Bombardierung des Iran und seiner Infrastruktur“.

Die Absichtserklärung, die am 17. Juni unterzeichnet wurde, stoppte die amerikanischen Angriffe, öffnete die iranischen Häfen wieder und setzte die Ölsanktionen aus im Gegenzug für eine 60-tägige freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus.

US-Präsident Donald Trump erklärte das Abkommen am 8. Juli für beendet und teilte dem Kongress am 10. Juli mit, dass die „Militäraktionen“ wiederaufgenommen würden. Am 11. Juli begann eine siebentägige Serie von nächtlichen Luftangriffen. Bis Dienstagnachmittag war die Seeblockade wieder in Kraft.

Die Trump-Regierung erwägt aktiv eine Bodenoffensive. Das Wall Street Journal berichtete am Mittwoch, dass Trump nach einem Treffen im Weißen Haus am Dienstag zu einer Ausweitung der Operationen tendiere. Er erwäge die Entsendung von Truppen zur Besetzung der Insel Charg, dem wichtigsten Ölexporthafen des Iran, und anderer Gebiete entlang der Straße von Hormus. Reuters berichtete am gleichen Tag, Regierungsvertreter beschrieben die jetzigen Angriffe als „vorbereitende Operationen“.

Am Freitag berichtete das Journal, die USA würden Kampfflugzeuge aus Europa zurückbeordern. Zudem operiere die aus mehr als 2.000 Soldaten bestehende 11. Marine-Expeditionseinheit in der Region.

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