Von Patrick Lawrence – 21. Oktober 2026
US-Präsident Donald Trump schwatzt mal so, mal so. Unser [Globalbridge-]Kolumnist aus den USA, Patrick Lawrence, meint allerdings, in gewissen Aussagen seine echten Absichten zu erkennen. (cm)
Die Präsidenten Trump und Selenskyj liegen erneut im Clinch. Dieser jüngste Ausbruch in der zerrütteten Fehde zwischen dem ignoranten Amerikaner und dem machtlosen Ukrainer begann, als Präsident Trump am Freitag, dem 9. Oktober, ein langes Telefongespräch mit Wladimir Putin beendete und eine Vereinbarung über den Import von fast fünf Millionen Tonnen russischem Dieselkraftstoff ankündigte. Genau in diesem Moment betrat Selenskyj gerade den Verhandlungsraum, um mit Trumps „Sonderbeauftragten“ darüber zu sprechen, wie der Krieg mit Russland beendet werden könne. Wenn es um diplomatisches Fingerspitzengefühl und feines Gespür für den richtigen Zeitpunkt geht, ist Donald Trump unübertroffen…
Trump ist seit dem Abschluss des Diesel-Deals noch viel weiter gegangen. Einen Tag später griff er Selenskyj wegen der wiederholten ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien an. „Er will der Welt Probleme bereiten“, sagte Trump am 10. Oktober im Weißen Haus. „Ich denke, es ist Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt.“ Dieser Gedanke, den man nicht übersehen sollte, bringt ihn auf eine Linie mit der Sichtweise des Kremls auf den ukrainischen Diktator.
Vor kurzem hat Trump ein Gesetz über Sanktionen gegen Russland, das er vor einigen Wochen unterzeichnet hatte, offiziell ausgesetzt. Er hat zudem angekündigt, die „Prioritized Ukraine Requirement List“ (P.U.R.L.) einzustellen – das Programm, über das die Europäer US-Waffen und anderes Material kaufen und diese Anschaffungen dann an die Ukraine weiterleiten. Bislang haben die Europäer im Rahmen der P.U.R.L.-Beschaffungsmaßnahme Waffen im Wert von rund sieben Milliarden Dollar an die Ukraine geliefert.
In einem Ausmaß, das noch nicht klar ist und vielleicht auch nie klar werden wird, scheinen die USA zudem einen Teil der Satellitenaufklärungsdaten zur Frühwarnung eingestellt zu haben, die Kiew zur Abwehr anfliegender russischer Raketen und Drohnen benötigt. Starlink, die supermoderne Kommunikationstechnologie von Elon Musk, hat der Ukraine Einschränkungen bei der Nutzung von „Starshield“ auferlegt – jener Variante in Militärqualität, die für die militärischen und staatlichen Operationen des Kiewer Regimes unverzichtbar ist.
Wolodymyr Selenskyj wurde offensichtlich überrumpelt. „So sollten Partner einander sicherlich nicht behandeln“, sagte er in einem viel beachteten Interview mit der Financial Times über das überraschende Dieselabkommen. Wie The Spectator es am vergangenen Wochenende in seiner amerikanischen Ausgabe formulierte: „Innerhalb nur weniger turbulenter Tage sind Trumps ohnehin schon angespannte Beziehungen zu Wolodymyr Selenskyj in einen fast unüberbrückbaren Bruch gestürzt.“ Diese Beobachtung erschien unter der Überschrift: „Hat Trump in der Ukraine-Frage die Seiten gewechselt?“
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[Zum Originalartikel von Patrick Lawrence in US-englischer Sprache]