Von Michael Schulenburg – 18. August 2026

Die europäischen NATO-Staaten schaden der Ukraine mit ihren Illusionen über Siege und Wunderwaffen und müssen ihre Politik endlich an einer realistischeren Einschätzung des Kriegsverlaufes orientieren. Als einzige reale Perspektive bleibt die Diplomatie. Nach fast fünf Jahren Krieg wäre es an der Zeit, dass die europäischen NATO-Staaten aktiv das Gespräch mit Russland suchen.
Noch am 26. Juli dieses Jahres zeigte sich Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch in Kiew voller Siegeszuversicht: Das Blatt habe sich im Krieg gewendet, die Ukraine habe die Initiative zurückgewonnen, Russland sei in der Defensive. Als Ursache dieses vermeintlichen Umschwungs nach viereinhalb Jahren eines verheerenden Krieges gilt eine neue „Wunderwaffe“: Drohnen, die mithilfe von Palantir & Co bereitgestellter KI den Krieg tief ins russische Hinterland tragen und dort Ölraffinerien sowie andere kritische Infrastrukturen präzise zerstören können. Die russische Wirtschaft – insbesondere der Energiesektor – sei nun schwer angeschlagen und der von Russland begonnene Krieg ist „in voller Wucht“ im eigenen Land angekommen.
Auch auf dem Schlachtfeld, so die Darstellungen, habe die Ukraine mit autonom operierenden „Killerdrohnen“ erhebliche Erfolge erzielt. Diese könnten an der Front in einer Entfernung von 30 Kilometern alles Leben automatisch erfassen und vernichten. Technologie habe so den Mangel an ukrainischen Soldaten mehr als ausgeglichen. Russische Soldaten hingegen zahlten nun einen hohen Blutzoll, ohne militärische Erfolge vorweisen zu können. Das müsse die Angreifer zermürben und Putin zwingen, anzuerkennen, dass er den Krieg verlieren werde.
Begleitet wurden diese Darstellungen von medienwirksamen Drohnenangriffen auf Moskau und St. Petersburg. Kein Wunder also, dass etablierte westliche Medien in den letzten beiden Monaten voller Siegesmeldungen waren. Manche spekulierten gar, Russland könne nur noch sechs Monate durchhalten; ein Umsturz in Moskau sei möglich. Die strategisch wichtige Krim sei durch ukrainische Angriffe bereits weitgehend von Russland abgeschnitten. Putin werde nun als Verlierer an den Verhandlungstisch gezwungen – und zwar zu Bedingungen der europäischen NATO-Staaten, was einer russischen Kapitulation gleichkäme. Ihre Politik, die Ukraine massiv militärisch, politisch und finanziell zu unterstützen, gleichzeitig aber jegliche Gespräche zu verweigern, bis Russland „in die Knie gezwungen“ sei, schien aufgegangen zu sein.
Doch ist das wirklich so? Oder hat sich gar das Blatt in Wahrheit zugunsten Russlands gewendet?