Von Dieter Reinisch – 4. Mai 2026

Während die Medien in Europa fast stündlich neue Berichte und Kommentare zu den Kriegen im Iran und in der Ukraine liefern, sind Zehntausende von Toten und geschätzt zwölf Millionen Menschen, die bereits aus dem Sudan – meist in den Tschad – geflüchtet sind, kaum ein Thema. Und dies, obwohl die mordenden Milizen der „Rapid Support Forces“ RSF von den „Vereinigten Arabischen Emiraten“ (VAE) massiv unterstützt werden, es also um mehr geht als nur um ein lokales Problem. (cm)
Vor kurzem flog nach drei Jahren wieder der erste zivile Flug in die Hauptstadt Karthum. Der Flieger war aus Port Sudan gekommen, wohin sich die sudanesische Regierung vor anderthalb Jahren aufgrund der schweren Kämpfe mit der von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und anderen Nachbarländern hochgerüsteten Miliz Rapid Support Forces (RSF) zurückgezogen hatte.
„Hoffentlich gibt es bald wieder regelmäßig Flüge. Dann musst du auch einmal kommen“, sagte Mohammed Salah zu mir, „wie der Fußballer“, stellte sich der sudanesische Diplomat in Wien mir vor, als wir uns vor fast einem Jahr kennenlernten. Diesmal trafen wir uns im siebten Stock der UN-City in Wien. „Es wird noch ein paar Monate dauern, aber dann solltest du kommen – wenn der Wiederaufbau voranschreitet und es in Karthum sicher ist.“ „Dann gibt es auch etwas Positives zu berichten“, meint er: „Karthum ist eine wunderschöne Stadt, aber nach diesem langen Krieg ist sehr viel zerstört.“ Aus seiner sanften und ruhigen Stimme klingen Trauer, aber auch zunehmender Optimismus. Salah glaubt fest daran, dass sich der Bürgerkrieg in seinem Land dem Ende zuneigt und das Land endlich einer friedlichen Zukunft nähert.
Doch noch ist bis dahin ein weiter Weg. Von der Normalität ist Karthum, wie der Rest des Landes, weit entfernt. Am 9. Februar berichtete AfricaNews über die Bombardierung eines Marktes in der Provinz Nord-Kordofan. 28 Menschen sollen dabei umgekommen sein. Mehrere Drohnen griffen den Markt im Gebiet Al-Safiya außerhalb der Stadt Sodari an, wie die Organisation Emergency Lawyers mitteilte, die die Gräueltaten im fast dreijährigen Krieg zwischen der sudanesischen Armee und der RSF-Miliz dokumentiert.
„Der Angriff ereignete sich, als zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen, sich auf dem Markt aufhielten“, so die Organisation. Sie warnte, dass die Angaben zu den Opfern noch nicht definitiv seien. Besonders in Nord-Kordofan sind die Kämpfe zwischen der RSF und der Zentralregierung heftig.