Serbien: Abwahl von Vučić eröffnet neue Periode von Klassenkämpfen

Von Peter Schwarz – 27. Oktober 2026

Demonstration in Belgrad während eines Generalstreiks am 24. Januar 2025 [Photo by SergioOren / wikimedia / CC BY 4.0]

Selten klafften Hoffnungen und Realität so weit auseinander wie am Sonntagabend in Belgrad. Nach der Wahlniederlage des langjährigen Machthabers [? – die GG-Red.] Aleksandar Vučić feierten Zehntausende in ganz Serbien begeistert den Wahlausgang. In der Hauptstadt brachten die jubelnden Menschenmassen den Verkehr teilweise zum Erliegen.

Zwei Jahre nach dem Einsturz des Bahnhofvordachs in Novi Sad, der eine Welle von Massenprotesten gegen Korruption und Willkürherrschaft auslöste, hat die Studentenliste, die aus dieser Protestbewegung hervorgegangen ist, die Parlamentswahl am Sonntag klar gewonnen. Sie erhielt gut 53 Prozent der Stimmen, Vučićs Serbische Fortschrittspartei (SNS) dagegen nur 39. Alle anderen Parteien verpassten den Einzug ins Parlament. Die Wahlbeteiligung war mit fast 70 Prozent außerordentlich hoch.

Doch was kommt jetzt? Was wird die Studentenliste mit ihrer neugewonnen Macht anfangen? Darauf hat sie nur eine rudimentäre Antwort, die vor allem aus frommen Wünschen besteht. Inmitten einer Welt, die von eskalierenden Kriegen, sozialer Ungleichheit, dem Anwachsen rechtsextremer Parteien und heftigen Klassenkämpfen geprägt ist, träumt sie – so das Wahlprogramm –, vom „Aufbau eines geordneten, gerechten und entwickelten Staates, in dem Wissen geschätzt wird und das Gesetz für alle gleichermaßen gilt“.

Über die zukünftige Regierungsmannschaft hat die Studentenliste noch nicht entschieden. Ihre gewählten Abgeordneten sind keine Studenten, sondern Professoren, Ärzte, Wissenschaftler, Journalisten, Künstler und sonstige Prominente. Auf Platz eins der Wahlliste stand der Medizinprofessor Ilija Srdanović. Die Regierung selbst soll sich aus „Experten“ zusammensetzen.

[Hier weiterlesen auf der WSWS]

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