Von Andrew Korybko – 6. August 2026

Die von der Ukraine mit Drohnen durchgesetzte „Blockade“ der Krim veranlasste Russland dazu, Charkow und Odessa mit einer eigenen Art von „Blockaden“ zu belegen. Der daraus resultierende Schaden für die Ukraine ist unvergleichlich größer ist als der, den die Ukraine Russland zugefügt hat – was bedeutet, dass Putin zum ersten Mal konsequent „eskaliert, um zu deeskalieren“.
Selenskyj kündigte Ende Juni den Beginn einer 40-tägigen Einflussoperation an, die darauf abzielte, Russland zur Annahme eines Waffenstillstands ohne Vorbedingungen zu zwingen. In diesem Zusammenhang verstärkte die Ukraine mit Unterstützung der USA und Frankreichs ihre Drohnenangriffe auf Russlands strategische Infrastruktur als Teil von Trumps „Zermürbungskrieg“ gegen Russland gemäß seiner neuen Politik der „Eskalation zur Deeskalation“. Energieanlagen, zivile Logistikzentren und die russische Schifffahrt wurden angegriffen, was zudem Kiews durch Drohnen erzwungene „Blockade“ der Krim verschärfte.
Obwohl sie den russischen Interessen unbestreitbaren Schaden zufügten, verfehlten diese Bemühungen Selenskyis angestrebtes politisch-militärisches Ziel. Außerdem gingen sie in Charkow und Odessa schwer nach hinten los. Was den ersten Fall betrifft, so zerstörte Russland mindestens 80 Tankstellen in dieser Frontregion, was sich nachteilig auf die militärische Logistik der ukrainischen Streitkräfte auswirkte, während im zweiten Fall russische Angriffe den größten Hafen der Ukraine lahmlegten, um dasselbe Ziel zu erreichen. Dieser Schaden ist unvergleichlich größer als der, den die Ukraine Russland bisher zugefügt hat.
Es gibt zudem erhebliche Folgen zweiter Ordnung, die Beobachter im Blick behalten sollten. Angefangen bei Charkow hat Russlands Bombardierungskampagne gegen Tankstellen – als Reaktion auf die verstärkten ukrainischen Luftangriffe auf russische Ölraffinerien – den Einwohnern der zweitgrößten Stadt des Landes das Leben schwer gemacht und damit teilweise das nachgebildet, was die Ukraine der Krim antut. Die Warnung lautet, dass Russland eine noch härtere „Blockade“ gegen Charkow verhängen könnte, sollte die von der Ukraine mit Drohnen durchgesetzte „Blockade“ der Krim nicht bald aufgehoben werden.
Was Odessa betrifft, so birgt die Schließung seines Hafens und anderer Schwarzmeerhäfen, über die 89 Prozent der ukrainischen Agrarexporte abgewickelt werden, die Gefahr, dass 30 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten vom Weltmarkt ferngehalten werden – was der Ukraine laut Reuters geschätzte Kosten in Höhe von 1,5 bis 3 Milliarden US-Dollar verursachen würde. In dem Bericht wurde zudem darauf hingewiesen, dass alternative Routen nur etwas mehr als die Hälfte der monatlichen Exportkapazität dieser Häfen bewältigen können und daher möglicherweise zu einem Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise führen könnten. Unerwähnt bleibt die Möglichkeit von Bauernprotesten nach polnischem Vorbild.
Die unmittelbaren und sekundären Folgen des soeben Beschriebenen sind das direkte Ergebnis von Putins milder „Eskalation zur Deeskalation“ durch Russlands neue Kampagne der „systematischen Schläge“. Diese ist eine Reaktion darauf, dass Trumps den jüngsten Zyklus seines neuen, von der Ukraine angeführten „Zermürbungskriegs“ gegen Russland eingeleitet hat. Dies stellt eine bedeutende Entwicklung dar, da Putin bisher auf deratige konsequente Vergeltungseskalationen verzichtet hatte, um zu verhindern, dass Zyklen wie der oben beschriebene außer Kontrolle geraten. Putin ist also nicht mehr so vorsichtig.
Diese Änderung in der Vorgehensweise Moskaus ist wohl auf den unbestreitbaren Schaden zurückzuführen, den Selenskyjs 40-tägige Einflusskampagne den russischen Interessen zugefügt hat – ein Schaden, der zwar nicht übertrieben werden sollte, dessen Herunterspielen aber auch unehrlich wäre. Schließlich hatte sich Putin bis dahin aufgrund seiner Befürchtungen, unabsichtlich den Dritten Weltkrieg auszulösen, sehr zurückhaltend verhalten.
Es ist daher abzusehen, dass Russlands Kampagne der „systematischen Schläge“ so lange andauern wird, wie der vom Westen unterstützte „Zermürbungskrieg“ der Ukraine gegen Russland fortgeführt wird, und Russland seine eigenen „Blockaden“ gegen Charkow und Odessa so lange fortführt, wie die durch Drohnen durchgesetzte ukrainische „Blockade“ der Krim anhält. Jede nennenswerte Eskalation seitens der Ukraine – beispielsweise falls ihr gestattet wird, Starlink oder Starshield über ganz Russland einzusetzen – wird daher auch Russland zu einer Eskalation veranlassen. Diese neue Dynamik ist eine direkte Folge von Selenskyis gescheiterter 40-tägiger Einflusskampagne.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.