Von Andrew Korybko – 2. Oktober 2026

Weder Polen noch Litauen werden es wagen, diese russische Exklave zu blockieren, geschweige denn, sie zu besetzen.
Der polnische Außenminister Radek Sikorski schlug Mitte September vor, Polen solle „auf unserer Seite (der russischen Exklave Kaliningrad) so aggressiv vorgehen, dass … [der russische Präsident Wladimir Putin] unsicher wird, was wir tun werden, und er daher Truppen aus der Ukraine abziehen muss.“ Ende des Monats veröffentlichte die britische Zeitung The i Paper einen Artikel darüber, wie „Russlands winziger Außenposten in Europa Putins größte Schwäche sein könnte“, in dem ehemalige NATO-Beamte zitiert wurden, die von einer Blockade fantasierten.
Russlands Reaktion folgte umgehend. Einige Tage nach dem provokativen Artikel von The i Paper veröffentlichte die russische Botschaft in Großbritannien eine Erklärung, in der es hieß: „Diejenigen, die Pläne zur Blockade oder zum Angriff auf Kaliningrad befürworten, sollten sich keine Illusionen über die Folgen machen. Jede britische oder NATO-Militäraktion gegen russisches Territorium würde mit einer Reaktion unter Einsatz aller Russland zur Verfügung stehenden Mittel, einschließlich Atomwaffen, beantwortet werden.“ Die russische Botschaft in Irland veröffentlichte am selben Tag eine ähnliche Erklärung in diesem Sinne.
Nachdem NATO-Chef Mark Rutte bestätigt hatte, dass er von der russischen Warnung Kenntnis habe, präzisierte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: „Der oben genannte Brief und die Berichte sollten nicht als konfrontative Erklärung angesehen werden“, und fügte hinzu: „Kaliningrad ist ein integraler Bestandteil Russlands; es ist eine sehr wichtige Region Russlands – die westlichste. Im Wesentlichen geht es darum, dass Russland die Sicherheit dieser Region zweifellos im Einklang mit seiner Gesetzgebung gewährleisten wird.“ Er riet der NATO zudem, ihre Rhetorik zu mäßigen.
Daraufhin spielte Putins jahrzehntelanger Freund und enger Vertrauter Nikolai Patruschew die NATO-Drohungen gegen Kaliningrad herunter, indem er erklärte: „Sie [die NATO-Staaten] werden keine Drohungen in die Tat umsetzen können. Sie [die Drohungen] werden bloße Worte bleiben. Sollten sie gar versuchen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, wird es eine schnelle und angemessene Reaktion geben. Das haben wir wiederholt betont. Alles wird eine völlig andere Dimension annehmen.“ Putin selbst deutete daraufhin an, dass in einem solchen Szenario tatsächlich Atomwaffen zum Einsatz kommen würden.
Diese Flut von Äußerungen dürfte die europäische NATO (E-NATO) davon abhalten, ernsthafte Aggressionen gegen Kaliningrad zu verüben, wie sie auf eine möglicherweise bevorstehende ukrainische False-Flag-Aktion (in Polen?) folgen könnten – inmitten der jüngsten Hysterie im gesamten Bündnis über einen angeblich unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff. Nachdem der finnische Präsident Alexander Stubb versucht hatte, seinen Amtskollegen zur Vernunft zu bringen, schwenkte Sikorski von Panikmache bezüglich eines Krieges mit Russland um und behauptete, dass „Russland nicht über die Kräfte für einen groß angelegten Angriff auf die NATO verfügt“.
Der neue litauische Ministerpräsident Mindaugas Sinkevicius erklärte daraufhin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rutte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass Russland „sich auf irgendetwas vorbereite“. Die Äußerungen dieser beiden Politiker sind von Bedeutung, da der „Suwałki-Korridor/die Suwałki-Lücke“ zwischen Weißrussland und Kaliningrad, über den/die die NATO seit langem spekuliert, er bzw. sie könnte von Russland überrannt werden, durch ihre Hoheitsgebiete verläuft. Sie räumen somit deutlich die apokalyptischen Folgen eines Versuchs ein, Kaliningrad zu blockieren, geschweige denn, es anzugreifen.
Dieses Worst-Case-Szenario wird daher wahrscheinlich selbst im Falle einer ukrainischen False-Flag-Aktion (in Polen?) nicht eintreten, da die polnischen und litauischen „Wächter“ an der Landgrenze zu Kaliningrad kein Interesse daran haben, wegen dieser russischen Exklave den Dritten Weltkrieg auszulösen. Sikorski mag zwar harte Töne anschlagen, und vielleicht wird Polen bald groß angelegte und möglicherweise regelmäßige Manöver in der Nähe von Kaliningrad durchführen. Aber sowohl Polen auch Litauen wissen, dass es nicht ratsam ist, dieser russischen Region Schaden zuzufügen, da Putin sie sonst mit Atomwaffen angreifen würde.
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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.