Russische Blockade des Schwarzen Meeres

Von Michael Silnizki – 6. August 2026

Ein unter liberianischer Flagge fahrendes Schiff wurde von russischen Truppen angegriffen. BildОлег Кіпер/Одеська ОДА (ОВА)

Der Drohnenkrieg und die wirtschaftlichen Folgen.

1. Der Krieg am Schwarzen Meer

    Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Häfen im Schwarzen und Asowschen Meer sowie auf Schiffe, die den internationalen Handel Russlands unterstützen, haben unerwartete Folgen für die Ukraine selbst.1

Als Reaktion auf diese Angriffe hat Russland seinerseits die Vergeltungsangriffe auf die Hafeninfrastruktur in den Regionen Odessa und Mykolajiw deutlich intensiviert. Die Angriffe richteten sich nicht nur gegen die Lagertanks der Häfen, die Treibstoff, Schmierstoffe und militärische Güter für die Ukraine lagern, sondern auch gegen die Getreidesilos für den Export ukrainischen Getreides.

Zudem wurden Seefrachtschiffe unter der Flagge von Drittstaaten, die in ukrainischen Häfen zum Entladen und Beladen anlegten, sowie Schiffe, die sich auf ukrainische Schwarzmeerhäfen zubewegten, von den russischen Streitkräften kontrolliert.

Das russische Verteidigungsministerium meldet mittlerweile regelmäßig massive Angriffe mit Präzisionswaffen und Drohnen auf ukrainische Infrastruktureinrichtungen und Schiffe, die „für die Lieferung und Lagerung von militärischer Fracht“ für die ukrainischen Streitkräfte genutzt werden.

Die Häfen des Großraums Odessa, die für 90 % der Seefrachtexporte verantwortlich waren, haben ihren Betrieb eingestellt und es bleibt ungewiss, wie die Ukraine künftig Agrar- und Metallprodukte exportieren wird.

Bereits am 22. Juli stellten Schiffe aufgrund verstärkter russischer Angriffe auf Hafenanlagen und Schiffe den Anlauf von Häfen im Großraum Odessa ein. Insgesamt griff Russland im vergangenen Monat 124-mal Häfen und Handelsschiffe an.

Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am 27. Juli wurde die Frage der Unterbrechung des Seehandels mit der Ukraine erörtert. Einem Bericht des UN-Sekretariats zufolge wurden allein im Juli mehr als sechs russische Angriffe auf zivile Schiffe in der Region Odessa registriert.

Es wurde außerdem festgestellt, dass die Ukraine im Juli zahlreiche Schiffe, darunter Öltanker, die russische und mit Russland verbundene maritime Logistik in der Region bereitstellten, angegriffen hat. Allein im Asowschen Meer haben die ukrainischen Streitkräfte in den letzten Wochen über 100 Schiffe attackiert.

Als Folge der harten militärischen Gegenschläge Russlands kam der internationale Seeverkehr aus ukrainischen Häfen nahezu vollständig zum Erliegen. Dies führte nicht nur zu Problemen für die Ukraine und zahlreiche Länder, die Lebensmittel von ihr beziehen, sondern hatte auch angesichts der Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf Schiffe, die russische Häfen anlaufen oder von dort abfahren, auch extrem negative Auswirkungen auf die Getreidepreise an den Weltmärkten.

Laut UN-Angaben sind die Weizenpreise seit Anfang Juli um 20 % gestiegen und haben damit den höchsten Stand seit März 2024 erreicht.

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