Von Jason Melanovski – 22. Juli 2026
Die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychailo Fedorow und die Umbildung des Kabinetts von Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die herrschende Klasse und das Militär des Landes in eine tiefe Krise gestürzt.
Am Samstag versammelten sich in Kiew etwa 10.000 Demonstranten in der Nähe des Nationalen Akademischen Schauspieltheaters „Iwan Franko“ und forderten die Entlassung des neuen Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyj und die Wiedereinsetzung Fedorows. Kleinere Proteste fanden zudem in Odessa, Lwiw, Lutzk, Dnipro, Tscherkasy, Schytomyr, Winnyzja, Tscherniwzi, Riwne, Iwano-Frankiwsk und weiteren Orten statt.
Die Proteste haben die Selenskyj-Regierung erschüttert, die bereits in eine Reihe von Korruptionsskandalen verwickelt ist, in die auch mehrere von Selenskyjs engsten Verbündeten verstrickt sind. Allerdings kann man sie nicht als „Antikriegsproteste“ bezeichnen. Vielmehr waren sie dominiert von frustrierten Veteranen, die den Krieg befürworten, und bessergestellten kleinbürgerlichen Vertretern der so genannten „Zivilgesellschaft“ der Ukraine, die den Krieg grundsätzlich unterstützen, aber Selenskyjs Kriegsführung kritisieren. Von der Demonstration in Kiew gibt es Fotos, auf denen Teilnehmer Transparente mit Fedorows Namen tragen und ausdrücklich die Fortsetzung des Kriegs mit Russland unterstützen, der bereits Hunderttausende von ukrainischen und russischen Arbeitern und Jugendlichen das Leben gekostet hat.