Pistorius in Kiew: Deutschland rüstet für Krieg gegen Russland

Von Johannes Stern – 12. Mai 2026

Fast 85 Jahre nach Beginn des Unternehmens Barbarossa, des deutschen Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion, führt Deutschland de facto wieder Krieg gegen Russland. Das unterstrich der Besuch von Verteidigungsminister Boris Pistorius in Kiew Anfang der Woche. Im Zentrum stand die weitere Integration der deutschen und ukrainischen Rüstungsindustrie und die gemeinsame Entwicklung weitreichender Waffensysteme, mit denen Russland tief im Hinterland attackiert werden soll.

Bei seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem ukrainischen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow kündigte Pistorius eine neue Stufe der militärisch-industriellen Zusammenarbeit an. Deutschland und die Ukraine wollen gemeinsam Drohnen und andere unbemannte Waffensysteme mit Reichweiten von bis zu 1500 Kilometern entwickeln und produzieren. Selenskyj erklärte, es gebe bereits sechs gemeinsame Rüstungsprojekte mit Deutschland, aber das sei „nur der Anfang“. Medienberichten zufolge hat Selenskyj Deutschland zudem für weitere Hilfe bei der Luftverteidigung gedankt, deren Einzelheiten „eine Überraschung“ für Russland bleiben sollen.

Pistorius machte keinen Hehl daraus, dass Berlin die Ukraine nicht nur als Empfänger deutscher Waffen betrachtet, sondern als Labor und Partner für die Entwicklung künftiger deutscher und europäischer Kriegführung. Deutschland könne „von den Erfahrungen der Ukraine auf dem Gefechtsfeld profitieren“, erklärte er in Kiew. Das gelte insbesondere für die Entwicklung weitreichender Drohnen. Zugleich verwies er darauf, dass die europäischen NATO-Staaten gerade im Bereich weitreichender Waffensysteme „Fähigkeitslücken“ hätten.

Die politische Bedeutung dieser Aussage kann kaum überschätzt werden. Die Ukraine ist in den vergangenen Jahren zum Testfeld eines hoch technologisierten Stellungskriegs geworden, in dem Drohnen, Raketen, Datenintegration, Satellitenaufklärung und automatisierte Gefechtsführung eine zentrale Rolle spielen. Hunderttausende ukrainische und russische Soldaten wurden in diesem Krieg bereits getötet oder verwundet. Nun erklärt der deutsche Verteidigungsminister offen, dass die Bundeswehr aus dieser blutigen Erfahrung lernen will.

Pistorius’ Reise war aus Sicherheitsgründen zuvor nicht öffentlich angekündigt worden. Sie diente nicht der Vorbereitung von Frieden, sondern der Ausweitung des Krieges. In Kiew tat Pistorius jüngste russische Äußerungen über ein mögliches Kriegsende als „mögliches Täuschungsmanöver“ ab. Auch die Forderung Moskaus nach Verhandlungen ohne westliche Vorbedingungen wies er zurück. Mit anderen Worten: Die Bundesregierung ist nicht an einer diplomatischen Lösung interessiert. Sie nutzt den Krieg, um ihre eigenen Großmachtpläne voranzutreiben und Russland militärisch, politisch und wirtschaftlich zu schwächen.

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