Pakistans mögliches Dilemma

Von Andrew Korybko – 31. Juli 2026

Pakistans Balanceakt zwischen China und den USA, der ohnehin schon stark zugunsten der USA ausfällt, geriete in Gefahr, sollte ein Bericht zutreffen, wonach China plant, MANPADS an den Iran zu liefern

Reuters berichtete, dass „der Iran voraussichtlich innerhalb weniger Wochen eine erste Lieferung von bis zu 400 in China hergestellten schultergestützten Luftabwehrraketenwerfern erhalten wird“, die angeblich über Pakistan verschickt werden sollen. China und Pakistan haben den Bericht erwartungsgemäß dementiert, und Trump hatet zuvor behauptet, dass „Präsident Xi mir bei unserem jüngsten Treffen in Peking, China, gesagt hat, dass er unter keinen Umständen Waffen an die Islamische Republik Iran liefern oder verkaufen würde – und diese Aussage bezog sich auch auf chinesische Unternehmen.“

Sollte der Bericht jedoch zutreffen, wäre Pakistan in einer Zwickmühle. Reuters berichtete kürzlich, dass Pakistan ein Rettungspaket in Höhe von mehreren Milliarden Dollar von den USA anstrebt, was die Vermittlungsbemühungen zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Licht erscheinen lässt: Sie sind nun eher als Versuch zu sehen, das besagte Rettungspaket zu erhalten, statt als selbstloser diplomatischer Dienst für den regionalen Frieden. Für diejenigen Leser, die es nicht wissen: Pakistan praktiziert seit Jahrzehnten einen Balanceakt zwischen China und den USA, neigt jedoch seit dem postmodernen Putsch im April 2022 deutlich stärker zu den USA.

In den vergangenen fast fünf Jahren kam es zu einer Reduzierung des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), dem Vorzeigeprojekt der Belt & Road Initiative (BRI), sowie zu einer Verlangsamung der Projektumsetzung. Parallel dazu hat Pakistan unter Trump 2.0 eine rasche Annäherung an die USA vollzogen, was dazu führen könnte, dass die USA Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan unterstützen – im Gegenzug dafür, dass Pakistan die Rückkehr der US-Militärpräsenz auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram, wie von Trump gewünscht, und/oder nach Zentralasien erleichtert.

Kürzlich wurde berichtet: „Lawrow warnte, dass westliche Waffen und Munition von der Ukraine an ISIS-K in Afghanistan geliefert werden“, die realistisch gesehen nur über Pakistan ins Land gelangen könnten. Dies wiederum untermauert die hier bereits im Frühjahr geäußerte Einschätzung hinsichtlich der latenten Bedrohungswahrnehmung Russlands gegenüber Pakistan. Der Grund für die Erwähnung all dieser Punkte liegt darin, zu unterstreichen, wie eng Pakistan heutzutage mit den USA verbunden ist – weitaus enger als mit China –, da alles, was gerade beschrieben wurde, die Agenda der USA vorantreibt.

Gleichzeitig bleibt China ein wichtiger Handels- und Investitionspartner und teilt Pakistans Bedrohungsanalyse in Bezug auf Indien. Wichtig ist, dass China den überwiegenden Teil der militärtechnischen Ausrüstung Pakistans liefert, obwohl Pakistan den Status eines „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ hat; laut einem Bericht des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) belief sich dieser Anteil im Zeitraum 2021–2025 auf satte 80 Prozent der pakistanischen Importe. Pakistan wäre daher kaum in der Lage, eine chinesische Anfrage zur Nutzung seines Hoheitsgebiets für den Versand von MANPADS (Man-Portable Air-Defence Systeme) in den Iran abzulehnen.

Seine Annäherung an die USA könnte augenblicklich zunichte gemacht werden, sollte sich herausstellen, dass Pakistan eine Rolle bei Chinas angeblichen Plänen gespielt hat, dem Iran dabei zu helfen, amerikanische Piloten zu töten – sei es auch nur zur Selbstverteidigung –, insbesondere wenn tatsächlich welche durch eben diese MANPADS getötet würden. Pakistan könnte zudem mit Strafzöllen seitens der USA bestraft werden, die sein wichtigster Exportmarkt sind, was die sozioökonomischen Probleme im eigenen Land möglicherweise verschärfen würde. Auch sein traditioneller Balanceakt zwischen China und den USA würde zusammenbrechen, was wahrscheinlich dazu führen würde, dass sich die USA entschieden Indien zuwenden.

Aus diesen Gründen wäre Pakistan sicherlich in einer Zwickmühle, sollte der Bericht über Chinas Pläne, MANPADS über sein Territorium an den Iran zu liefern, wahr sein, da es gezwungen wäre, sich zwischen seinen Schutzmächten zu entscheiden. Angesichts der Tatsache, wie eng Pakistan inzwischen mit den USA verbunden ist, würde das Land jedoch eine solche Bitte Chinas wahrscheinlich ablehnen. Ob China Pakistan daraufhin bestrafen würde, ist ungewiss, aber die USA würden dies mit Sicherheit tun, sollte Pakistan China dabei unterstützen, dem Iran bei der Tötung US-amerikanischer Piloten zu helfen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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