Von Neil L. Harrison und Jeffrey Sachs – 18. August 2026

Fauci sollte sich bei der Wahrheit über den Ursprung von COVID-19 nicht auf den fünften Verfassungszusatz berufen.
Wir brauchen eine unabhängige Untersuchung mit dem Recht, Zeugen vorzuladen und Unterlagen anzufordern – abgeschirmt von jenen Behörden, deren eigenes Verhalten zur Debatte steht. Und dann soll die Beweislage entscheiden.
Am 29. Juli saß Anthony Fauci aufgrund einer Vorladung vor einem Ausschuss des Senats und verweigerte mehr als hundertmal die Antwort auf Fragen. Bei seinen rund 250 früheren Auftritten vor dem Kongress hatte er sich kein einziges Mal auf den fünften Verfassungszusatz berufen. Nun tat er es bei der Frage, wo die schlimmste Pandemie seit einem Jahrhundert ihren Anfang nahm – und bei allen anderen Fragen ebenfalls.
Er hatte das Recht dazu. Der fünfte Verfassungszusatz gewährt dieses Recht, und wer Schweigen als Beweis für Schuld betrachtet, missversteht die Verfassung. Doch damit geht der entscheidende Punkt verloren. Fauci leitete 38 Jahre lang das National Institute of Allergy and Infectious Diseases und wurde zum Gesicht des medizinisch-wissenschaftlichen Establishments der USA – wobei er sich einmal sogar selbst entsprechend bezeichnete: „Ich bin die Wissenschaft.“ Seine Behörde gehörte zu jenen, die Coronavirus-Forschung in Wuhan und in North Carolina finanzierten. Wenn die Frage lautet: Wie konnten eine Million Amerikaner sterben?, dann kann der Mann, der die Rolle des „Arztes Amerikas“ spielte, nicht schweigen und zugleich weiterhin den Mantel der Wissenschaft für sich beanspruchen.
Aus dem Labor
Vor vier Jahren forderten wir in den Proceedings of the National Academy of Sciences eine unabhängige Untersuchung über den Ursprung von SARS-CoV-2, jenes Virus, das die Pandemie verursachte – mit uneingeschränktem Zugang zu amerikanischen ebenso wie zu den einschlägigen chinesischen Unterlagen. Der Öffentlichkeit wurde von Beginn der Pandemie an erklärt, die Frage nach dem Ursprung sei geklärt, das Virus sei natürlichen Ursprungs. Doch diese Frage war ganz gewiss nicht geklärt. Jede Veröffentlichung aufgrund des Freedom of Information Act, jeder Bericht eines Whistleblowers und jedes seit 2022 vorgelegte Dokument des Kongresses hat weitere Zweifel an dieser Darstellung geweckt und stattdessen auf einen Ursprung des Virus in einem Labor hingedeutet.
Im Januar 2025 schloss sich schließlich auch die Central Intelligence Agency dieser Einschätzung an. Sie gelangte „mit geringer Sicherheit zu der Einschätzung, dass ein forschungsbedingter Ursprung der COVID-19-Pandemie wahrscheinlicher ist als ein natürlicher Ursprung“. Das FBI kam mit mittlerer Sicherheit zum selben Ergebnis. Ebenso das Department of Energy, das die nationalen Forschungslaboratorien betreibt. Drei amerikanische Behörden und der deutsche BND halten inzwischen einen forschungsbedingten Ursprung für wahrscheinlicher. Dennoch wurde diese Einschätzung noch immer nicht unter Einbeziehung sämtlicher relevanter amerikanischer Unterlagen geprüft.
Wir wissen inzwischen jedoch recht genau, wie ein solches Virus hergestellt worden sein könnte, denn die Anleitung dazu wurde niedergeschrieben. Im Jahr 2018 reichten Ralph Baric von der University of North Carolina, Peter Daszak von der EcoHealth Alliance und Shi Zhengli vom Wuhan Institute of Virology bei der DARPA einen Antrag namens DEFUSE ein. Darin wurde ein konkreter Plan beschrieben: Barics Reverse-Genetics-Plattform – eine von ihm entwickelte und patentierte Technologie zum Zusammenbau von Coronaviren aus synthetischen Fragmenten – sollte dazu verwendet werden, Grundgerüste von Fledermaus-Sarbecoviren zu konstruieren, darunter aus Feldproben zusammengesetzte Konsensussequenzen. Anschließend sollte an der S1/S2-Verbindungsstelle des Spike-Proteins eine Protease-Schnittstelle eingefügt werden.