Neue Bündnisse in Mittelost

Von German-Foreign-Policy.com – 6. November 2026

Turkish President Recep Tayyip Erdogan, Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman and Pakistan’s Prime Minister Shehbaz Sharif after signing a joint defence agreement in Mecca, Saudi Arabia, on 7 August 2026 (Murat Cetinmuhurdar/Turkish Presidential Press Office/Handout via Reuters)

In Mittelost ergeben sich neue Einflussoptionen für Deutschland: Mehrere Staaten der Region suchen – im Bestreben, der Abhängigkeit von den USA und deren Kriegen zu entkommen – engere Beziehungen nach Europa.

Mittelostexperten sehen neue Chancen für Deutschland, seinen deutlich reduzierten Einfluss im Mittleren Osten erneut zu stärken. Anlass sind Bestrebungen mehrerer regionaler Mächte, einen Abgleich mit Iran zu finden, um eine erneute Kriegseskalation zu verhindern oder doch wenigstens zu dämpfen. Mit diesem Ziel haben in den vergangenen Wochen die Staaten des Mekka-Abkommens – Saudi-Arabien, Pakistan, Türkei – in Teheran Verhandlungen geführt und versucht, über ein Treffen mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien (E4) Verbündete für ihre Bestrebungen zu finden. Ziel ist es zudem, die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern und über eine engere Kooperation mit Europa eine Alternative zu den USA zu schaffen. Für Staaten wie Saudi-Arabien drängt die Zeit. Sie erlitten in der heißen Phase des Krieges empfindliche Schäden durch iranischen Beschuss. Nehmen die USA die Angriffe wieder auf, dann drohen noch deutlich größere Verluste. Iran ist es nicht bloß gelungen, die US-Stützpunkte in Nah- und Mittelost mit Erfolg anzugreifen; es hat auch den arabischen Golfstaaten erhebliche Schäden an der Energie- und Verkehrsinfrastruktur zugefügt.

US-Kriegsschäden

Der genaue Umfang der Schäden, die US-Truppen und -Stützpunkte in Nah- und Mittelost seit dem US-amerikanisch-israelischen Überfall auf Iran am 28. Februar durch Gegenangriffe hinnehmen mussten, ist bis heute nicht wirklich klar, weil die Trump-Administration kaum Informationen bereitstellt, Recherchen behindert – etwa durch die Sperrung des Zugangs zu Satellitenbildern – und die Aufklärung durch irritierende Meldungen über angebliche Erfolge zu konterkarieren sucht, die sich regelmäßig als komplett aus der Luft gegriffen erweisen. Die Nachrichtenagentur AP hat trotz aller Schwierigkeiten aufzeigen können, dass Irans Angriffe ab dem 28. Februar zunächst vor allem auf Flugabwehrsysteme inklusive Radaranlagen auf US-Stützpunkten am Persischen Golf zielten; dann ging Teheran dazu über, Flugzeughangars, Lagerhäuser und Gebäude zur Unterbringung von Truppen zu attackieren – mit wachsendem Erfolg.[1] Eine Analyse des Wall Street Journal konnte Schäden an 274 Gebäuden oder Geräten – von Radaranlagen bis Flugzeugen – in insgesamt 24 Militäreinrichtungen belegen, in Ländern von Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten bis Jordanien. Offiziellen Angaben des Pentagon zufolge kamen mehr als 20 US-Soldaten ums Leben; mehr als 400 wurden verletzt. Die Kriegskosten wurden jüngst auf gut 47,1 Milliarden US-Dollar beziffert, wobei Schäden an der Infrastruktur noch nicht einberechnet sind; sie werden auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar geschätzt.[2]

Arabische Kriegsschäden

Zu den schweren Schäden an der US-Militärinfrastruktur, deren Kosten Washington zumindest zum Teil mit dem Hinweis auf andere Länder abzuwälzen sucht, die Einrichtungen würden auch von verbündeten Staaten mitgenutzt, kommen erhebliche Schäden an kritischer Infrastruktur in den Ländern der Arabischen Halbinsel hinzu. Dies hat Mitte Oktober eine umfassende Recherche der Nachrichtenagentur Reuters gezeigt.[3] Demnach attackierte Iran insbesondere die Öl- und Gasinfrastruktur – etwa die Flüssiggasanlage Ras Laffan in Qatar, bei der zwei zentrale Elemente zur Gaskühlung getroffen wurden; Ras Laffan liefert rund ein Fünftel des globalen Flüssiggases. Getroffen wurden sonst vor allem Anlagen, die es erlauben, die faktisch gesperrte Straße von Hormuz zu umgehen. So attackierten Iran und seine Verbündeten – irakische Milizen und die Huthi – Pumpstationen an der saudischen Ost-West-Pipeline, die Öl aus den Fördergebieten im Osten Saudi-Arabiens ans Rote Meer liefert. Auch der emiratische Hafen in Fujairah, der außerhalb des Persischen Golfs liegt und von der Sperrung der Straße von Hormuz nicht betroffen ist, wurde heftig attackiert; vom Beginn des Kriegs bis Mitte Mai wurde er Reuters zufolge 19 Mal angegriffen. Hinzu kamen heftige Attacken auf Flughäfen insbesondere in Saudi-Arabien sowie auf ein emiratisches Atomkraftwerk.

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