Von Dieter Reinisch – 18. Juli 2026
Der Globale Süden kommt in den westlichen Medien vergleichsweise selten vor, und falls doch, ist er von kolonialen und eurozentrischen Vorurteilen geprägt. Dies wird deutlich bei einer kritischen Medienanalyse zu Kuba. In diesem zweiten Beitrag zum Thema Kuba werden die Medienkampagnen als von Falschinformationen, Ignoranz und selektiver Quellenwahl geprägt dargestellt, und alternative Medienberichterstattungen werden aufgezeigt, die ein anderes Bild von Kuba vermitteln als die westlichen Mainstream-Medien.
Neben dem Framing werden gezielte Medienkampagnen gegen Kuba geführt. Edgar Göll schrieb am 24. Juli 2024 in den NachDenkeiten über zwei derartige Kampagnen: „Um die Deviseneinkünfte Kubas zu reduzieren/schwächen, wurde eine Medienkampagne gestartet. Kuba wurde dabei vorgeworfen, seine medizinische Hilfe in anderen Staaten durch seine Ärzteteams sei ‚Menschenhandel‘, denn ein Teil der Honorierung der Ärzte in Form von Devisen würde dem kubanischen Staatshaushalt zugeteilt.“ Damit wird das hochentwickelte kubanische Gesundheitssystem erhalten, das der gesamten Bevölkerung zugutekommt, weil alle allgemeinen Gesundheitsdienste kostenlos sind. Die US-Regierung setzt andere Regierungen, die an den Ärzteteams interessiert waren, unter Druck: „Rechtsextreme Gruppen sowie einige Regierungen, wie z. B. die Brasilianer unter dem Extremisten Bolsonaro, nahmen dies dankbar auf und wiesen die Ärzteteams außer Landes oder luden sie erst gar nicht ein“, so Göll.
Neben dem Vorwurf des Menschenhandels ist ein weiteres Ziel der feindlichen Medienkampagnen der Tourismus: „Erstens werden Hotelunternehmen erpresst und unter Druck gesetzt.“ So müssen spanische Hotelunternehmen mit Investitionen in Kuba nicht nur juristische Angriffe ertragen – sondern auch Dutzenden von Klagen auf Grundlage der US-Blockadegesetze.“ Darüber hinaus seien sie Ziel geplanter Kampagnen zum Verlust an Ansehen, schreibt Göll.
Ignorieren kubanischer Ärzteteams
Doch es sind nicht nur das Framing und gezielte Kampagnen, sondern auch das bewusste Ignorieren, die die mediale Berichterstattung charakterisieren. Darüber berichtet die schottische Wissenschaftlerin Helen Yaffe in ihrem bei der Yale University Press erschienenen Buch „We are Cuba! How a Revolutionary People Survived in a Post-Soviet World. Sie schreibt darin von einer Begegnung mit dem kubanischen Arzt Dr. Fernández, der darauf hinwies, dass die Medienwirkung Kubas Ebola-Mission „einige glauben ließ, wir hätten etwas Außergewöhnliches geleistet, was uns zu Helden macht“. Tatsächlich wurde Kubas Beitrag international gelobt. Ein Leitartikel der New York Times rief aus: „Die Arbeit dieser kubanischen Mediziner kommt den gesamten globalen Bemühungen zugute und sollte dafür anerkannt werden.“ Mitte Oktober 2014 lobten sowohl der US-Außenminister John Kerry als auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, die Rolle Kubas in Westafrika. Als der damalige Präsident Barack Obama am 17. Dezember 2014 die Annäherung zwischen den USA und Kuba ankündigte, verwies er auf Kubas Ebola-Kampagne als Beispiel für die Vorteile einer Zusammenarbeit: „Amerikanische und kubanische Gesundheitsfachkräfte sollten Seite an Seite arbeiten, um die Ausbreitung dieser tödlichen Krankheit zu stoppen.“