Lügen in Zeiten des Kriegs

Von Mirko Jähnert – 9. Juli 2026

Der Ukraine-Konflikt ist ein Lehrbeispiel für Kriegspropaganda im 21. Jahrhundert. Jens Winkelmann prüft die zehn häufigsten Falschaussagen.

Kreml und Bolschoi-Kamenny-Brücke am späten Abend (Bild: Andrey Korzun, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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In den westlichen Leitmedien kommen zum Ukraine-Krieg fast ausschließlich sogenannte Experten zu Wort, die in einschlägig bekannten NGOs integriert sind und typische transatlantische Lebensläufe vorweisen, wie ich in einem früheren Text [1] aufgezeigt habe. Über die Mainstream-Kanäle verbreiten diese Transatlantiker politisch genehme Narrative zum Krieg – und was ständig wiederholt wird, bleibt in den Köpfen hängen. So werden Ausgaben in Milliardenhöhe zu Lasten der Menschen in den EU-Ländern gerechtfertigt. Die zehn häufigsten Falschaussagen hat der ehemalige Diplomat und heutige politische Aktivist Jens Winkelmann für die Freie Medienakademie analysiert.

1. Die Ukraine verteidigt Europa und unsere Werte

Diese Behauptung findet sich zum Beispiel in diesen beiden Texten: Zentrum Liberale Moderne [2] und Europäische Kommission [3].

Menschen haben Werte, Staaten Interessen. Und die USA und die EU haben handfeste geostrategische und wirtschaftliche Interessen in dieser rohstoffreichen Region. Ihre „Werte“ sind politische, wirtschaftliche und militärische Expansion und Ausschaltung eines Konkurrenten auf dem internationalen Rohstoffmarkt. Der Rest ist Propaganda (Soft Power).

2. Russland hat 2014 die Ukraine überfallen

Beispiele für diese Aussage: Zentrum Liberale Moderne [4] und Deutsche Welle [5].

Die Ereignisse 2014 sehe ich eher als einen Bürgerkrieg unter aktiver Beteiligung der russischen Seite zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung im Osten der Ukraine. Jeder Krieg hat eine Vorgeschichte. Hier war es aus meiner Sicht die Osterweiterung der Nato, die spätestens seit 1994 unter Präsident Clinton zum strategischen Programm der USA erklärt wurde. Dabei hat man sich die politische und wirtschaftliche Schwäche Russlands in den 1990er Jahren zunutze gemacht. Bereits Mitte der 1990er Jahre haben US-Experten wie George F. Kennan davor gewarnt, dass diese Strategie unvermeidlich zu einem Krieg mit Russland führen wird:

Ich glaube, das ist der Beginn eines neuen Kalten Krieges. Ich denke, die Russen werden allmählich ziemlich negativ reagieren, und das wird ihre Politik beeinflussen. Ich halte das für einen tragischen Fehler. Es gab überhaupt keinen Grund für diesen Schritt. Niemand hat irgendjemandem gedroht. Bei dieser Expansion würden sich die Gründerväter dieses Landes im Grabe umdrehen. (George F. Kennan)

Kern dieser Strategie war es, die Ukraine Schritt für Schritt aus dem russischen Einflussbereich herauszubrechen und die Nato unmittelbar an die russischen Grenzen heranzuführen. 2014 war eine Zeitenwende, jedoch boten die Abkommen Minsk 1 und Minsk 2 die Möglichkeit, einen Krieg zu verhindern. Diese Chance wurde nicht genutzt.

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