Los von Washington

Von German-Foreign-Policy.com – 29. Oktober 2026

Der EU-Kanada-Gipfel steht im Zeichen verstärkter Bestrebungen beider Seiten, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu diversifizieren, um von den USA unabhängiger zu werden. Kanada setzt dazu auf Handelsvereinbarungen auch mit China und Indien.

Der heute in Montreal beginnende EU-Kanada-Gipfel ist vom Bestreben beider Seiten geprägt, ihre derzeitige Abhängigkeit von den USA im Hinblick auf die Aggressionen der Trump-Administration zu reduzieren. Gab auf europäischer Seite die Okkupationsdrohung gegen Grönland einen wichtigen Anstoß dazu, so war es auf kanadischer Seite die Drohung, das gesamte Land zu annektieren. Kanada setzt beim Streben nach größerer Unabhängigkeit unter anderem auf Handelsabkommen mit verschiedenen Ländern und Handelsblöcken, darunter die EU. Brüssel und Ottawa wollen ihre Beziehungen weiter intensivieren; der beispiellose Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Kanada zum „assoziierten Mitglied“ der EU zu machen, ist jetzt allerdings auf Widerstand gestoßen, unter anderem in Berlin. Unabhängig davon hat Kanada Anfang des Jahres eine Handelsvereinbarung mit China geschlossen, woraufhin sein Export in die Volksrepublik in der ersten Hälfte des Jahres um 30 Prozent gestiegen ist; und es arbeitet nun daran, ein Handelsabkommen mit Indien zu schließen. Zudem stärkt es seine Aktivitäten in der Arktis – und gilt dort als „natürlicher Verbündeter“ der EU.

„Allianz für die Zukunft“

Auf dem 21. EU-Kanada-Gipfel, der am heutigen Donnerstag im kanadischen Montreal beginnt und an dem unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilnehmen wird, soll eine bilaterale „Allianz für die Zukunft“ gestartet werden. Ziel sei es, „gemeinsamen Wohlstand und wirtschaftliche Sicherheit“ zu gewährleisten, heißt es.[1] Der Gipfel soll ein breites Spektrum an Themen abdecken, darunter Handel, Digitalisierung, kritische Rohstoffe, Außen- und Militärpolitik, Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation; zudem soll er sich mit den Schifffahrtsrouten durch die Arktis befassen.[2] Die EU und Kanada haben eines der größten Freihandelsabkommen weltweit vereinbart, das seit 2017 teilweise angewandt wird, wenngleich es bis heute zehn EU-Staaten – Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Slowenien, Ungarn und Zypern – noch nicht ratifiziert haben. Das Gesamtvolumen des gegenseitigen Handels mit Waren und Dienstleistungen erreichte im Jahr 2025 rund 130 Milliarden Euro – ein Anstieg um mehr als 80 Prozent im Vergleich zum Handelsvolumen im Jahr 2016. Beide Seiten pflegen darüber hinaus eine langjährige Kooperation in der Außen- und Militärpolitik. Kanada ist zudem das einzige Nicht-EU-Land, das am 150-Milliarden-Euro-Programm Security Action for Europe (SAFE) der EU teilnimmt, das Investitionen in die EU-Rüstungsproduktion durch gemeinsame Beschaffung unterstützt. Am Ende des heute beginnenden Gipfeltreffens soll eine gemeinsame Abschlusserklärung vorgelegt werden.

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