Von Andre Damon – 25. Oktober 2026
Am Freitag, den 23. Oktober, riegelte die israelische Regierung das besetzte Westjordanland ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er bereite dort eine Militäroperation vor, wie es sie seit der Eroberung des Gebiets durch Israel im Jahr 1967 nicht mehr gegeben habe.
Im Bündnis mit der Trump-Regierung weitet die israelische Regierung den Völkermord in Gaza auf das Westjordanland aus. Gleichzeitig bereiten die USA und Israel eine neue Offensive gegen den Iran vor.
Beides ist Teil einer zusammenhängenden Operation zur Schaffung eines „neuen Nahen Ostens“, wie sie Präsident Joe Biden (Demokraten) im Oktober 2023 eingeleitet und Donald Trump seither durchgesetzt hat. Die vollständige Unterwerfung und ethnische Säuberung Palästinas ist eine logische Konsequenz der Kriegspläne der Regierungen von Trump und Netanjahu.
Netanjahu ordnete die Abriegelung nicht zufällig jetzt an: Am 27. Oktober finden die israelischen Parlamentswahlen und am 3. November die US-Zwischenwahlen statt. Vier Tage zuvor hielt sich US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Israel auf. Die New York Times schrieb am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Hegseth und Netanjahu hätten über neue Angriffe auf den Iran nach den US-Zwischenwahlen diskutiert.
Genau wie bei den Angriffen der Hamas am 7. Oktober 2023, die Netanjahu als Vorwand für die Besetzung des Gazastreifens und die Vertreibung und Ausrottung seiner Einwohner nutzte, nimmt er diesmal einen Angriff auf israelische Soldaten zum Vorwand für die Offensive zur Annexion des Westjordanlands.
Zwei Soldaten, Stabsfeldwebel Ron Yonatan Roytman (23) und Feldwebel Yuval Shai Svilem (20), wurden am Freitagmorgen an einem Kontrollpunkt außerhalb von Hebron im südlichen Westjordanland getötet. Das israelische Militär behauptete, zwei Palästinenser aus Hebron hätten das Feuer auf den Kontrollpunkt eröffnet und seien später, nach einem 20-minütigen Schusswechsel, von israelischen Soldaten erschossen worden.
Netanjahu kündigte die Zerstörung des Stadtteils an, aus dem die mutmaßlichen Schützen kamen. Die Times of Israel berichtete am Freitag, er habe an dem Kontrollpunkt erklärt: „Zunächst werden wir diesen Ort zerstören, ihn vollständig umgestalten.“ Das Militär werde das „erfolgreiche und aggressive Vorgehen anwenden, das wir in den Flüchtlingslagern angewandt haben; [wir werden] von Haus zu Haus“ gehen.
Ebenfalls am Freitag erklärte Netanjahu, die Regierung erwäge „eine sehr umfangreiche Operation der IDF in Judäa und Samaria“, d.h. im Westjordanland, wie sie seit dem Krieg von 1967 „nicht mehr durchgeführt wurde“.
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Freitag, genau wie in Gaza werde „jedes Clan-Viertel in Hebron, aus dem die Terroristen heute hervorgekommen sind, von seinen Bewohnern geräumt werden“.
Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb am Freitag: „Es gibt keine Alternative zu einer umfassenden Militäraktion in Judäa und Samaria, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen, die Waffen einzusammeln und die Terroristen zu eliminieren, genau wie wir es in Gaza getan haben.“ Die Palästinensische Autonomiebehörde verwaltet die palästinensischen Städte im Westjordanland, und es gibt keine Beweise für eine Verbindung zu den bewaffneten Angreifern.
Bis Freitagabend zerstörte das Militär laut der Times of Israel palästinensische Gebäude in der Nähe von Hebron. Smotrich hatte zuvor erklärt, er habe die sofortige Zerstörung „eines großen Teils der illegalen arabischen Gebäude“ angeordnet. Das Militär erklärte am Abend, es habe „offensive Anti-Terror-Einsätze im Raum Hebron eingeleitet“.