In der Eskalationsspirale

Von German-Foreign-Poliy.com – 23. Oktober 2026

Die Eskalationsspirale, die durch die – in Deutschland beklatschten – Angriffe der Ukraine auf russische Lagerhäuser und Raffinerien ausgelöst wurde, geht vor allem zu Lasten der ukrainischen Wirtschaft.

Die Wirtschaft der Ukraine wird in diesem Jahr nicht wie zunächst erwartet leicht wachsen, sondern zum Stillstand kommen. Dies geht aus der Herbstprognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hervor. Ursache sind demnach Russlands Angriffe auf die Exportinfrastruktur der Ukraine, die zu dramatischen Einbrüchen etwa beim Getreideexport und infolgedessen bei den Einnahmen des Landes geführt haben. Kiew werde deshalb noch stärker als bisher von Geld aus dem westlichen Ausland abhängig sein, heißt es beim wiiw. Mit seinen Angriffen antwortete Russland auf ukrainische Angriffe auf russische Lagerhäuser und Raffinerien, die im Westen – auch in Deutschland – weithin mit Schadenfreude quittiert wurden. Aus ihnen geht die russische Wirtschaft allerdings nur leicht geschädigt hervor und wird laut wiiw im zuvor prognostizierten Ausmaß wachsen. Die Hauptgeschädigten der Eskalationsspirale sind die Ukraine und ihre Bevölkerung. Zudem eskalieren die Kosten für ihre westeuropäischen Kriegsfinanziers – für 2027 fehlen in Kiew ungefähr 70 Milliarden Euro. Die Kosten für den Wiederaufbau wurden bereits zu Jahresbeginn auf 588 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Mit Schadenfreude

Die verstärkten Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf Ziele der zivilen Wirtschaft in Russland waren im Sommer im Westen zunächst mit demonstrativer Genugtuung registriert worden. So seien allein bei Angriffen auf Lagerhäuser russischer Onlinehändler Waren im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro zerstört worden, hieß es etwa Mitte August.[1] Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien sowie der zeitweise aufgetretene Mangel an Treibstoffen in Russland wurden ebenso mit Schadenfreude beobachtet – jedenfalls, bis Moskau am 8. Juli einen Exportstopp auf Diesel verhängte, um den gefährdeten Bedarf im Inland zu sichern. Dies trieb, weil Russland zuvor der zweitgrößte Dieselexporteur weltweit war, den Dieselpreis empfindlich in die Höhe. Dieser erreichte in Deutschland im September den Rekordwert von rund 2,40 Euro pro Liter.[2] In den Vereinigten Staaten stieg er auf über 6,50 US-Dollar pro Gallone – auch dies mehr als je zuvor. Die hohen Preise belasten bis heute Verbraucher und Wirtschaft weltweit und veranlassten US-Präsident Donald Trump, in einem Deal mit der russischen Regierung Sonderlieferungen zu vereinbaren, um vor den US-Zwischenwahlen den Dieselpreis wenigstens etwas zu senken. Die Bundesregierung gab einen Teil der deutschen Notfallreserven frei.[3]

Prognose gesenkt (I)

Russland hat im Gegenzug seine Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung sowie auf die Exportinfrastruktur der ukrainischen Häfen intensiviert – mit vorhersehbar verheerenden Folgen für die ukrainische Wirtschaft. Bereits im September berichtete die European Bank for Reconstruction and Development (EBRD), man müsse damit rechnen, dass die Ausfuhr von Getreide und Ölsaaten, die traditionell über das Schwarze Meer erfolge, aufgrund der schweren Schäden an der ukrainischen Exportinfrastruktur insbesondere in den Häfen um 50 bis 60 Prozent einbrechen werde.[4] Der Zwang, alles neue Getreide zu lagern, belaste die Handelsinfrastruktur zusätzlich. Die ukrainische Wirtschaft werde daher in diesem Jahr nicht um 2,2 Prozent wachsen, wie man noch im Juni vorhergesagt habe, sondern bloß um 1,5 Prozent. Für 2027 müsse man die Wachstumsprognose nun von 2,5 Prozent auf 1,5 Prozent senken. Noch könne man der Ukraine „makroökonomische Stabilität“ attestieren; ihre Gesamtwirtschaft aber sei von einer „langsamen Erholung“ in einen Zustand „nahe an der Stagnation“ übergegangen. Weil außerdem die Treibstoffkosten, bedingt durch den Krieg der USA und Israels gegen Iran, in die Höhe geschossen seien, habe die Inflation schon im Juli 7,7 Prozent erreicht.

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