Havanna im Würgegriff: Kuba 2026

Von Jochen Mitschka – 11. Juni 2026

Es ist ein Detail, das alles sagt. Fast 20.000 Tonnen Lebensmittel, bereitgestellt von UN-Organisationen wie dem Welternährungsprogramm, UNICEF und dem UNDP, lagern derzeit in den Häfen Mariel und Santiago de Cuba und in internen Depots. Aber die Hilfe für jene, welche weltweit selbst Ländern in Not halfen, kommt nicht an. Warum?

Obwohl in Kuba mittlerweile eine Hungersnot droht, stapeln sich die Container, die ungenutzt bleiben. Die Verteilung scheitert an der von Washington verhängten totalen Ölblockade: Benzin und Diesel sind so knapp, dass die UN, die mehr als fünf Millionen Liter Treibstoff für die Verteilung benötigt, sie nicht beschaffen kann. Hilfe ist da. Sie kommt nur nicht an. Das ist die Lage auf Kuba im Sommer 2026.

Der Dominostein fällt: Venezuela und das Öl

Um zu verstehen, was in den letzten Monaten geschah, muss man bei Venezuela beginnen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den frühen 1990er Jahren war Venezuela unter Hugo Chávez zum wichtigsten Energielieferanten Kubas geworden – Öl gegen Ärzte, eine klassische Kooperation des Südens. Doch diese Achse hat Washington seit Jahren systematisch unter Druck gesetzt.

Mit der Corona-Pandemie rutschte Kuba in eine tiefe wirtschaftliche Krise, aus der sich das Land kaum wieder erholte. Aus Venezuela kamen nicht mehr die früher gewohnten 100.000 Barrel Öl pro Tag, sondern nur noch rund 35.000. Das war bereits ein harter Einschnitt. Was dann folgte, war der finale Schlag.

Kidnapping, Verrat und Kolonialismus

Am 3. Januar 2026 entführten die USA in einer Militärinvasion den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Dabei kamen auch 32 kubanische Sicherheitskräfte im Dienste des venezolanischen Präsidenten ums Leben. Offensichtliches Ziel war die Kontrolle über Venezuelas Ölproduktion. Der Nebeneffekt für Kuba war verheerend: Die letzte Öllieferung vor der Quasi-Blockade hatte die Insel bereits am 9. Dezember des Vorjahres erreicht.

Nach der Entführung Maduros unterband Washington alle venezolanischen Ölexporte nach Kuba;

zudem erpresste Trump alle Länder, die die Insel weiter mit Rohöl und Ölderivaten belieferten, mit Zusatzzöllen.

Wichtige Verbündete wie Mexiko oder Brasilien schicken seitdem zwar weiter humanitäre Hilfe, aber kein Öl mehr. Niemand will sich den Zorn des US-Präsidenten zuziehen.

Der Mangel an Flugbenzin hat dazu geführt, dass kanadische, russische, türkische, französische und spanische Fluggesellschaften ihre Flüge auf die Insel eingestellt haben. Auch der Tourismus – die zweitwichtigste Devisenquelle des Landes – bricht ein. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Kuba 48 Prozent weniger Einnahmen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

[Hier weiterlesen]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.