Von German-Foreign-Policy.com – 21. September 2026
Volkswagen treibt den größten Konzernumbau seiner Geschichte voran und will 100.000 Arbeitsplätze weltweit streichen. Niedersachsens SPD-geführte Landesregierung und die IG Metall tragen den Sparkurs mit.
Volkswagen treibt den größten Konzernumbau seiner Geschichte voran und kann dabei auf die Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung und der IG Metall zählen. Der Aufsichtsrat des Konzerns hat sich Anfang September einstimmig auf die Fortsetzung des Sparkurses verständigt. Zuvor war öffentlich über einen Machtkampf zwischen den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, dem Land Niedersachsen und der Beschäftigtenseite spekuliert worden. Konzernchef Oliver Blume will die Modellpalette halbieren, die Produktionskapazitäten um rund eine Million Fahrzeuge reduzieren und weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze streichen. Ziel ist eine operative Umsatzrendite von neun Prozent; im ersten Halbjahr 2026 waren es lediglich 3,8 Prozent. Nun sollen bis 2030 rund 30,9 Milliarden Euro eingespart werden. Konzernintern wird bereits ein Szenario durchgerechnet, das Einsparungen von mehr als 40 Milliarden Euro erforderlich machen könnte. Offen ist zudem die Zukunft mehrerer deutscher Werke. Als mögliche Alternative zur Autoproduktion gewinnt die Rüstungsindustrie an Bedeutung. In Osnabrück soll künftig gemeinsam mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael produziert werden; die IG Metall begrüßt die Pläne.
Weniger Autos, höhere Rendite
Mit dem „Zukunftsplan 2030“ will Volkswagen-Vorstandschef Oliver Blume die größte Umstrukturierung der Unternehmensgeschichte vornehmen: Die Modellpalette soll halbiert, die Produktionskapazitäten um rund eine Million Fahrzeuge abgesenkt und weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Volkswagen prüft erstmals, ausschließlich für den chinesischen Markt produzierte Modelle nach Europa zu importieren und sie perspektivisch auch in Europa produzieren zu lassen. Gleichzeitig setzen andere europäische Hersteller auf eine stärkere Kooperation mit chinesischen Unternehmen.[1] VW verfolgt mit dem Rotstift ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 will der Konzern weltweit etwa neun Millionen Fahrzeuge absetzen und eine operative Umsatzrendite von neun Prozent erwirtschaften – das heißt: für 100 Euro Umsatz neun Euro operativen Gewinn. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 lag die Umsatzrendite bei 3,8 Prozent.[2]
Eskalation nach Drehbuch
Ende August fanden im Volkswagen-Konzern an vielen großen Standorten Betriebsversammlungen statt. Oliver Blume begab sich auf eine Rundreise zu mehreren Standorten – passenderweise im konzerneigenen Privatjet. Am Rollfeld in Emden protestierten Gewerkschafter gegen die Sparpläne.[3] Anfang September beriet sich der Volkswagen-Aufsichtsrat. Im Vorhinein wurde medial heftiger Streit inszeniert. Drei verschiedene Beschlussvorlagen sollen auf dem Tisch gelegen haben – normalerweise trifft der Aufsichtsrat Entscheidungen im Konsens. Zu diesem Zeitpunkt wurde spekuliert, der Streit könne zu einer außerordentlichen Hauptversammlung führen. Insidern zufolge drohten die Aktionärsfamilien Porsche und Piëch, die schon lange auf harte Einsparungen drängen, mit einem solchen Szenario. Verhandelt wurde auch eine Neustrukturierung des Konzerns, um den Einfluss Niedersachsens, das 20 Prozent der Stimmanteile im Volkswagen-Konzern hält, zurückdrängen zu können – besonders den Einfluss auf die VW-Stammmarke. Diese sowie die Konzernmarken Audi oder Škoda könnten von der Wolfsburger Holding separiert und als eigenständige Tochtergesellschaften geführt werden, hieß es. Einen ähnlichen Schritt erwog der Konzern auch für seine Komponentensparte.[4] Die Androhung einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde als Manöver gewertet, um die im VW-Gesetz festgelegte Vetoposition des Landes Niedersachsen mit seinen 20 Prozent in Teilen auszuhebeln.[5]