Von German-Foreign-Policy.com – 18. Juni 2026
Deutschland soll zu einer international führenden Luftfahrtnation werden und insbesondere eine Führungsposition in der militärischen Luftfahrt und der Drohnenproduktion in Europa einnehmen. Dies besagt die neue Luftfahrtstrategie Berlins.
Deutschland soll in den kommenden 15 Jahren zu einer international führenden Luftfahrtnation werden und insbesondere eine Führungsposition in der militärischen Luftfahrt einnehmen. Dies geht aus der neuen deutschen Luftfahrtstrategie hervor, die die Bundesregierung kürzlich verabschiedet hat. Das Dokument betont den Wert der Entwicklung eigenständiger europäischer bzw. deutscher Fähigkeiten und legt erstmals einen Schwerpunkt auf die enge Zusammenarbeit zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt. Besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung deutscher Drohnenkapazitäten; zudem heißt es, Deutschland solle „in der Forschung, Entwicklung und Produktion von militärischen Luftfahrtspitzentechnologien“ in Zukunft „führend in Europa“ sein. Auch im Hinblick darauf hat Bundeskanzler Friedrich Merz Anfang vergangener Woche den Abbruch der Entwicklung des deutsch-französischen Kampfjets der modernsten, sechsten Generation (Future Combat Air System, FCAS) bekanntgegeben: Bei dem Projekt hatte der französische Konzern Dassault die industriell-technologische Führung inne. Nun sollen acht deutsche Unternehmen an seine Stelle treten – neben Airbus unter anderem Hensoldt und Diehl Defence.
Streit um die Führungsrolle
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte in der vergangenen Woche die Entwicklung des deutsch-französischen Kampfflugzeugs der modernsten, sechsten Generation offiziell für beendet erklärt. Seit seinen Anfängen im Jahr 2017 war das Projekt von Differenzen zwischen Berlin und Paris hinsichtlich der Aufteilung der Arbeit, der Technologien und der Profite geprägt. Wie es zuletzt immer wieder hieß, liege eine zentrale Ursache darin, dass für Deutschland die NATO-Kompatibilität im Mittelpunkt gestanden habe, während Frankreich den Kampfjet auch als Träger für seine Atomwaffen sowie auf seinem Flugzeugträger habe nutzen wollen; dies habe eine Einigung letztlich verhindert.[1] Dem steht entgegen, dass es ohne weiteres möglich ist, Kampfjets in verschiedenen, an spezifische Aufgaben angepassten Versionen zu produzieren; den US-Jet F-35 etwa gibt es in drei Varianten (F-35A, B und C). Tatsächlich nahm Berlin Anstoß daran, dass Dassault Aviation für Frankreich auf der industriell-technologischen Führung bestand, was den ursprünglichen Abmachungen entsprach; Deutschland erhielt zum Ausgleich die Führung beim deutsch-französischen Kampfpanzer (Main Ground Combat Project, MGCS). Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte jetzt, mit dem Kampfjet sei ein „ambitioniertes, großes europäisches Projekt … an der Realität … zerschellt“.[2] „Realität“ war in diesem Fall, dass Berlin Paris die Führungsrolle nicht mehr zugestehen wollte.