Von Amalia von Gent – 17. Mai 2026

»Wird sich Armenien geopolitisch von Russland trennen und eine Ehe mit der EU eingehen?» Das fragt sich unsere Kaukasus-Kennerin Amalia van Gent, und sie meint: »Die Wahlen am 7. Juni werden wegweisend sein.« Es bleibt zu hoffen, dass man in Armenien nicht nur den Geldsegen sieht, mit dem die EU die Ukraine überschüttet, sondern auch die Kriegstreiberei und die mittlerweile unübersehbare und öffentlich erklärte Absicht Deutschlands, zur stärksten Militärmacht Europas zu werden – und diese dann auch einzusetzen… (cm)
Für den armenischen Premierminister Nikol Paschinjan dürften die ersten Tage dieses Monats die glücklichsten seiner politischen Karriere, wenn nicht seines Lebens, gewesen sein. Am 4. Mai fand in der armenischen Hauptstadt Jerewan der 8. Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) statt. Rund 50 Staats- und Regierungschefs nahmen daran teil. Einen Tag später kam es zum ersten Treffen zwischen der Europäischen Union (EU) und Armenien. »Ganz Europa ist nach Armenien gekommen«, wunderte sich der bekannte Journalist Eric Hacopyan. Er fügte anerkennend hinzu: «»Armenien hat in seiner langen Geschichte noch nie so viele hochrangige Gäste beherbergt wie jetzt.«
Glamour der internationalen Politik
Für einen kurzen Moment erlebte die armenische Hauptstadt in der Tat den berauschenden Glamour der internationalen Politik aus erster Hand. In den fernen Südkaukasus reisten Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, und Antonio Costa, der Präsident des EU-Rates. In ihrem Sog auch zahlreiche Delegationen der EU-Mitgliedstaaten. Hinzu gesellten sich der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der britische Premierminister Keir Starmer und der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz. Beim Gipfel-Treffen der Europäer dürften der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der kanadische Premierminister Mark Carney auch nicht fehlen.
Das Treffen in Jerewan war das erste seiner Art im Südkaukasus. Die Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) wurde 2022 als Reaktion auf den russischen Einmarsch in die Ukraine ins Leben gerufen und wurde anfangs als ein Anti-Putin-Club wahrgenommen. Die Politiker dieses EPG-Treffens suchten allerdings bewusst eine gleiche Distanz zu Wladimir Putin und Donald Trump, dem unbeständigen Präsidenten der USA, zu bewahren. Bezeichnend ist, dass kein Vertreter der US-Regierung eingeladen wurde. Ein Anti-Putin-Club und zugleich ein Anti-Trump-Club?