Von Andrew Korybko – 11. Mai 2026

Trump reist nach China, während man in Russland nach einer Annäherung oder gar einem Pakt mit China ruft. Wenn Trump und Xi sich treffen, ist auch Putin schon mit am Tisch, der kurz darauf nach Peking kommt.
Trumps anstehende Reise nach China Ende dieser Woche zielt in erster Linie darauf ab, Fortschritte bei dem seit Langem verhandelten Handelsabkommen zu erzielen. Trump möchte dabei Vorteile für die USA institutionalisieren, während Xi Jinping Vorteile für China festschreiben will. Die makroökonomische Position der USA hat sich durch die bilateralen Handelsabkommen gestärkt, die sie im vergangenen Jahr weltweit abgeschlossen hat, während Chinas Position durch den US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran geschwächt wurde, in dessen Folge sich die chinesischen Energieimporte auf dem Seeweg verringerten.
Trotzdem hat das Fehlen einer Einigung Trump den zusätzlichen Vorteil genommen, den er sich vor dem Treffen mit Xi erhofft hatte – nämlich die Kontrolle über Irans Energiewirtschaft zu erlangen, so wie er sie über Venezuelas erlangt hatte. Er hat jedoch gezeigt, dass die USA die Straße von Hormus teilweise blockieren können, und das neue Militärabkommen mit Indonesien deutet auf ähnliche Pläne bezüglich der Malakkastraße hin. Trump hat also mehr Trümpfe in der Hand, als Kritiker behaupten, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass er Xi zu einem einseitigen Deal zwingen kann, wie seine Unterstützer erwarten.
Gleichzeitig wird der relative makroökonomische Nachteil Chinas infolge des Irankriegs durch den Umstand ausgeglichen, dass die USA kein Abkommen mit Russland über die Ukraine erreichen konnten. Dies hat die Hardliner-Fraktion in Russland gestärkt und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer De-facto-Allianz zwischen China und Russland. Diese Beobachtung ist keine Spekulation, sondern wurde vom Forschungsdirektor des Valdai Clubs, Fyodor Lukyanov, bestätigt, der sich auf Erkenntnisse aus der jüngsten Konferenz seines Think Tanks in Shanghai bezog.
Der Kopf der russischen Hardliner, Sergei Karaganow, signalisierte dasselbe in einem Artikel, der von RT erneut veröffentlicht wurde. Die Verbreitung durch Russlands führendes globales Medium sowie die exklusive Veröffentlichung von Lukyanovs Artikel senden eine klare Botschaft an die USA und China: Russland könnte eine De-facto-Allianz mit China eingehen, falls die USA die Ukraine und die NATO nicht zu den geforderten Zugeständnissen für einen Frieden zwingen. Gleichzeitig signalisiert Russland China, dass sie gemeinsam gegen die USA vorgehen könnten, falls keiner von beiden einen Deal mit Washington abschließt.
Hinzu kommen wahlpolitische Überlegungen, die weitere Unsicherheit darüber schaffen, wer möglicherweise zuerst mit wem einen Deal abschließt und wann – falls überhaupt einer zustande kommt. Putin könnte ein Abkommen vor den nächsten Wahlen im September anstreben, um der Regierungspartei zu helfen, ihre Mehrheit zu halten, falls diese aufgrund der vielen Herausforderungen des Konflikts schlecht abschneiden sollte. Schließlich hatte er nach den letzten Wahlen 2021 betont, dass die Erhaltung der Mehrheit für eine stabile Entwicklung essenziell sei – heute mehr denn je.
Trump wiederum möchte den erwarteten Rückschlag für die Republikaner bei den Wahlen im November abfedern. Deshalb ist er motiviert, Deals über Iran, Russland-Ukraine und/oder China abzuschließen – auch wenn er dabei Kompromisse bei sensiblen Themen eingehen muss, mit denen er nie gerechnet hatte. Vergleichsweise steht Putin unter größerem Druck als Trump, da die Chance auf ein relativ faires Abkommen mit einem demokratisch kontrollierten Repräsentantenhaus und/oder Senat deutlich geringer ist. Dies macht es nahezu sicher, dass der Konflikt bis 2029 weitergeht.
Wichtig ist, dass Putin kurz nach Trump nach Peking reisen wird, um Xi zu treffen. Als enge Freunde werden sie dort offen über die entsprechenden Kalkulationen ihrer Länder sprechen können, bevor sie entscheiden, wie sie weiter vorgehen. Ein US-Deal mit China ohne einen mit Russland würde Russland benachteiligen – und umgekehrt. Kein Deal mit einem der beiden könnte Russland kurzfristig benachteiligen, würde den USA aber langfristig schaden, wenn daraus eine De-facto-sino-russische Allianz entsteht. Nach diesen Treffen wird alles klarer sein.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.