Die Tuareg diskreditieren ihre Sache erneut, indem sie als Stellvertreter ausländischer Mächte fungieren

Von Andrew Korybko – 27. April 2026

Die Sache der Tuareg – für so legitim manche sie auch halten mögen – wird nun vom Westen als Vorwand missbraucht, um seine Unterstützung für den Versuch einer ISIS-ähnlichen Machtübernahme in Mali zu verschleiern. Und das, obwohl der Westen genau diesem Szenario vor fast anderthalb Jahrzehnten noch entgegengetreten ist.

Mali wurde am Samstag von koordinierten Angriffen im ganzen Land erschüttert, die von als Terroristen eingestuften Tuareg-Rebellen der Dachorganisation „Azawad Liberation Front“ (FLA nach ihrer französischen Abkürzung) im ländlichen Norden und von islamistischen Terroristen der „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) in den städtischen Gebieten verübt wurden. Die BBC berichtete, dass beide Gruppen ihre Zusammenarbeit miteinander bestätigten. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Tuareg, die entweder einen eigenen Staat oder zumindest Autonomie anstreben, mit islamistischen Terroristen verbündet haben.

Die „Nationale Bewegung für die Befreiung von Azawad“ (MNLA) verbündete sich 2012 mit der Al-Qaida-nahen Gruppe Ansar Dine, kurz nachdem der NATO-Krieg gegen Libyen zur Zerstreuung der riesigen Waffenvorräte des ermordeten lybischen Staatschefs Muammar Gaddafi in der gesamten Region geführt hatte. Was als eine weitere der immer wiederkehrenden Tuareg-Rebellionen in Mali begann, entwickelte sich schnell zu einer vollwertigen Proto-ISIS-Offensive, die nur dank der entschlossenen französischen Operationen Serval und Barkhane von 2013 bis 2022 daran gehindert wurde, die Kontrolle über das gesamte Land zu erlangen.

Die Abkommen von Algier von 2015, vermittelt durch Malis Nachbarland Algerien, das enge Beziehungen zu regionalen Tuareg-Gruppen unterhält, da es selbst Ziel solcher Separatisten war, gewährten den Tuareg teilweise Autonomie. Mali zog sich jedoch im Januar 2024 nach angeblichen Verstößen seitens der Tuareg und Algeriens gegen das Abkommen aus diesem zurück. Später, im Sommer desselben Jahres überfielen die Tuareg umbenannte Wagner-Truppen nahe der algerischen Grenze in einem gewagten Drohnenangriff, für dessen Organisation sich die Ukraine verantwortlich erklärte, was den Konflikt weiter verkomplizierte.

Zu diesem Zeitpunkt war die Sache der Tuareg – die einige Sympathisanten hat, die sie durch miteinander verknüpfte antikoloniale und nationale Befreiungsprismen betrachten – bereits diskreditiert, nachdem sich die MNLA von der Ukraine, Frankreich und den USA mit algerischer logistischer Unterstützung als Schachfiguren gegen Russland hatte missbrauchen lassen. Aus diesem Grund zogen weder Russland noch Mali auch nach dem Rückzug der umbenannten Wagner-Truppen im vergangenen Sommer (das Africa Corps bleibt bestehen) in Betracht, einen doppelten politischen Weg zur Lösung dieser jüngsten Tuareg-Rebellion einzuschlagen.

In den Augen Bamakos und Moskaus ist die FLA (die Ende 2024 die MNLA abgelöst hat) eine ausländische Stellvertretermacht, das sie mit Gegnern der beiden Staaten verbündet sind. Zwar sind die russisch-algerischen Beziehungen offiziell nach wie vor stark, sie werden jedoch zunehmend belastet, da Russland und Algerien in diesem Krieg gegnerische Seiten unterstützen. Der Weg der Diplomatie kann daher nur dann eingeschlagen werden, wenn die bewaffneten Tuareg-Rebellen ihre Verbindungen zu den oben genannten Ländern und zu den mit ihnen verbündeten islamistischen Terroristen abbrechen. Die Anschläge vom Samstag deuten darauf hin, dass dies so schnell nicht geschehen wird.

Die Tuareg-Sache – so legitim manche sie auch finden mögen – wird nun vom Westen als Vorwand ausgenutzt, um seine Unterstützung für einen versuchten ISIS-ähnlichen Machtübergriff in Mali zu verschleiern, obwohl der Westen selbst genau diesem Szenario vor fast anderthalb Jahrzehnten noch entgegenstand. Was sich seitdem geändert hat, ist der syrische Präzedenzfall der Normalisierung eines nun „ehemaligen“ ISIS-Verbündeten, Ahmed al-Sharaa, nachdem dieser mit westlicher Hilfe das ganze Land übernommen hatte, sowie in der Folge das Interesse daran, dies in Mali zu wiederholen, um Russland in Westafrika eine strategische Niederlage zuzufügen.

Mali ist der Kern der Sahel-Allianz, zu der auch Burkina Faso und Niger gehören, die sich alle vom Kampf Russlands gegen den Westen inspirieren lassen und militärisch mit ihm verbündet sind. Der Untergang Malis könnte daher zur Auflösung dieses Blocks führen, wobei die beiden anderen Länder entweder in dessen Sog geraten oder sich dem Westen unterordnen würden, als Gegenleistung für einen Druckabbau. Während der Westen Russlands regionale Niederlage feiern würde, wäre der tiefere Grund für seine Freude die Wiederherstellung der Kontrolle über die Bodenschätze der Region.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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