Die faktische Ausweitung der NATO bis zum Kaspischen Meer ist unvermeidlich

Von Andrew Korybko – 14. Oktober 2026

Russland hat jedoch noch Zeit, Sicherheitsgarantien nach ukrainischem Vorbild vorzuschlagen, um eine weitere „Sonderoperation“ abzuwenden.

Politico veröffentlichte kürzlich einen Artikel darüber, wie „Frankreich und die Türkei die Bemühungen der NATO um eine Vertiefung der Beziehungen zu den Kaukasus-Staaten blockieren“ – nicht, weil sie grundsätzlich dagegen sind, sondern weil die Türkei die Verlängerung des Partnerschaftsplans mit Armenien blockiert, nachdem Frankreich sich geweigert hatte, den Plan mit Aserbaidschan zu genehmigen. Frankreich und Aserbaidschan liegen seit langem im Streit über die Unterstützung Armeniens durch Paris, insbesondere im Zusammenhang mit dem Karabach-Konflikt, und zuletzt wegen der Inhaftierung französischer Staatsbürger durch Aserbaidschan (die später freigelassen wurden).

Laut Politico „hat die Verzögerung die NATO gezwungen, die veralteten Partnerschaftsabkommen mit Armenien und Aserbaidschan vorübergehend zu verlängern, obwohl die Verhandlungen über die neuen Pläne fast abgeschlossen sind, sagten drei der Diplomaten. Die neuen Pläne würden deren Teilnahme an gemeinsamen Militärübungen ermöglichen, die militärische Ausbildung fördern und die kulturelle Zusammenarbeit intensivieren – bis hin zur Einrichtung lokaler Englischkurse, fügten sie hinzu.“ Gemeinsame NATO-Übungen könnten nach der Genehmigung des Plans an der Kaspischen Küste gemeinsam mit Aserbaidschan stattfinden.

Für scharfsinnige Beobachter kommt dies alles nicht überraschend. Die im August 2025 vorgestellte „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP) verfolgt den unausgesprochenen weiteren Zweck, als militärischer Logistikkorridor der NATO zum Kaspischen Meer und von dort weiter nach Zentralasien zu dienen. TRIPP ist daher das Mittel, mit dem die NATO Russland entlang der Südflanke des neuen „Cordon sanitaire“ einzudämmen gedenkt, den die amtierende Trump-Regierung um das Land herum errichtet hat. Aserbaidschan stellt für Russland eine ähnliche Herausforderung wie die Ukraine dar, da es als unersetzbarer Transitstaat für TRIPP fungiert.

Würde Aserbaidschan mit Russland kooperieren, um sicherzustellen, dass TRIPP nicht für militärische Zwecke missbraucht wird, gäbe es kein Problem; doch Baku hat kein solches Interesse und hat sich stattdessen auf die Seite des Westens geschlagen. Tatsächlich kündigte Präsident Ilham Alijew im vergangenen November an, dass die Streitkräfte seines Landes die Anpassung an NATO-Standards abgeschlossen hätten, und ihre Marine-Drohnen könnten in Krisenszenarien die russische Kaspische Flotte bedrohen, genau wie die der Ukraine derzeit die russische Schwarzmeerflotte bedrohen.

Aserbaidschan ist zudem auf dem besten Weg, seine Wirtschaft weiter in die der EU zu integrieren. Es hilft der Union nicht nur dabei, russische Energie zu ersetzen, sondern wird auch deren Handel mit Zentralasien erleichtern. Zu diesem Zweck kündigte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, im vergangenen Monat an, dass „wir anstreben werden, bis zu 12 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen“ in die regionale Logistik entlang des sogenannten „Mittleren Korridors“ zu mobilisieren. All dies zieht die Schlinge der Eindämmung um Russlands Südflanke immer enger.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow deutete im vergangenen Monat an, dass seine Landsleute manchmal bis zur Naivität optimistisch seien und zudem dazu neigten, latente Krisen nicht proaktiv anzugehen. Bei allem Respekt gegenüber denjenigen, die für die Formulierung der russischen Politik verantwortlich sind, scheint dies in Bezug auf die Bedrohung, die TRIPP für Russland darstellt, wohl der Fall zu sein. Das soll nicht bedeuten, dass Russland einen Präventivkrieg gegen Aserbaidschan führen sollte, sondern lediglich, dass es sich dringend der von dort ausgehenden Bedrohungen bewusst werden muss.

Mit Blick auf Zukunft ist es aufgrund der faktischen Ausweitung der NATO bis zum Kaspischen Meer auch unvermeidlich, dass sich Russlands Bedrohungswahrnehmung gegenüber Aserbaidschan verschärfen wird. Je früher, desto besser, da Russland noch Zeit hat, Sicherheitsgarantien nach ukrainischem Vorbild vorzuschlagen, um eine weitere Sonderoperation abzuwenden. In diesem Zusammenhang könnte es darum gehen, dass Aserbaidschan russischen Inspektionen der TRIPP-Fracht zustimmt und keine gemeinsamen NATO-Manöver auf seinem Territorium zulässt. Aserbaidschans Präsident Alijew dürfte dem freilich wohl nur dann zustimmen, wenn Putin etwas Druck auf ihn ausübt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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