Von Nick Turse – 6. Juli 2026

Vor ein paar Tagen, am 250. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeits-erklärung, haben wir auf ein neues Buch von Werner Rügemer hingewiesen, in dem die 250-jährige Geschichte der USA kritisch beleuchtet wird. Einige Leser und Leserinnen mögen sich gedacht haben, dass es einem deutschen Publizisten nicht zusteht, die Geschichte der USA nur anhand seiner Untaten zu schildern. Das darf man so denken. Nur: Auch US-amerikanische Autoren kommen zu einem ähnlichen Resultat. Hier die Übersetzung eines Artikels von Nick Turse, auch hier mit konkreten Fakten. (cm)
Präsident Donald Trump versucht, Amerikas Vergangenheit zu beschönigen. Könnte eine Rebellion eine bessere Zukunft bieten?
In seiner typisch leichtverständlichen Art hat Präsident Donald Trump seine Kundgebung zum 4. Juli in Washington, D.C., als Höhepunkt der „unvergesslichsten Geburtstagsfeier, die ein Land je gesehen hat“ angekündigt. Dem lässt sich kaum widersprechen. Vom brutalen Blutsport auf dem Rasen des Weißen Hauses über die große Leere der „Great American State Fair“ bis hin zu seinem schmutzigen, eingezäunten Spiegelbecken auf der National Mall hat Trump Spektakel zum 250-Jahr-Jubiläum geboten, die sich für eine ganze Generation in das Gedächtnis der Amerikaner einbrennen werden.
Im Vorfeld dieses schäbigen Zirkus hat Trump sich zudem beeilt, die unrühmlichen Aspekte der US-Geschichte auszulöschen. Doch falls Sie an diesem Unabhängigkeitstag genug von Trumps Gelage haben, möchte ich Ihnen einen Gegenpol zur Vision des Präsidenten von Amerika anbieten: einen nüchternen Blick auf ein Land, das in Schande leben sollte, und das Rezept eines Gründervaters, der uns allen vielleicht einen Ausweg bieten könnte.
Eine Geschichte der Gewalt
Ich habe die letzten 51 der 250 Jahre Amerikas miterlebt. Die meiste Zeit davon war ich der Überzeugung, dass die Vereinigten Staaten unheilbar krank sind. Und doch hätte ich mir nie ganz vorstellen können, dass die USA einmal dort stehen würden, wo sie heute sind. Das war ein Versagen meiner Weitsicht, denn Amerika mit seinen 250 Jahren ist meiner Einschätzung nach genau dort, wo es hingehört. Es ist eine Nation, die verdorben ist, ein Land, das von seiner Vergangenheit vergiftet ist – und noch mehr durch das klägliche Versagen, sich damit auseinanderzusetzen.
Einst schien es noch offen zu sein: Würde Amerika das Land sein, das durch Jim Crow geprägt war? Oder durch die Bürgerrechtsbewegung? Das Land, das unschuldigen Menschen am anderen Ende der Welt den Krieg erklärte? Oder eines, das sich zur Verbrechenhaftigkeit dieses Gemetzels bekannte und Schwerter zu Pflugscharen schmiedete? Eine Nation, die Frauen ins Gefängnis steckte, weil sie Informationen über Verhütung per Post verschickten? Oder ein Land, das den Menschen Selbstbestimmung über ihren Körper gewährte? Die Chancen standen immer gegen die USA, die von Grund auf durch zwei Erbsünden vergiftet sind: den Siedlerkolonialismus und die Sklaverei. Aus diesen Übeln sind so viele andere Vergehen gegen die Menschlichkeit hervorgegangen. Vielleicht könnte kein Land ein solches Erbe überwinden.