Interview mit Kate Hudson. Interview: German-Foreign-Policy.com – 8. Juni 2026
Interview mit Kate Hudson über die Haupttriebkräfte der aktuellen Kriegsgefahr, über die Antikriegskonferenz in London am 20. Juni und über die Notwendigkeit, sich international gegen Krieg zu organisieren.

Über die zunehmenden Proteste gegen die Militarisierung in Europa und die am 20. Juni bevorstehende internationale Antikriegskonferenz sprach german-foreign-policy.com mit der Antikriegsaktivistin Kate Hudson. Hudson war Vorsitzende (2003 bis 2010) und Generalsekretärin (2010 bis 2024) der britischen Campaign for Nuclear Disarmament (CND) und ist heute ihre Vizepräsidentin. Zudem ist sie seit 2002 in der Stop the War Coalition aktiv, die die Konferenz organisiert. Hudson betont, die Hauptgefahr für den Weltfrieden liege zur Zeit nicht etwa bei Russland und China, sondern bei den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verbündeten.
Die USA befänden sich wirtschaftlich im Abstieg und kämpften mit allen Mitteln dagegen an. Zudem befinde sich der Kapitalismus in einer tiefen Krise und habe dabei „ein extremes Modell“ hervorgebracht, das „durch extrem rechte Persönlichkeiten“ wie Donald Trump verkörpert werde – ein „politischer Albtraum“, konstatiert Hudson. Sie dringt darauf, die Antikriegsbewegung müsse sich ebenso international organisieren wie diejenigen, die die Militarisierung vorantreiben – Staaten und kapitalistische Kräfte –, und rät, gegen die Gefahr einer atomaren Bewaffnung Deutschlands frühzeitig anzukämpfen.
german-foreign-policy.com: Am 20. Juni findet in London eine große internationale Antikriegskonferenz statt. Was erwarten Sie sich davon?
Kate Hudson: Diese Konferenz ist ein bedeutender Meilenstein, eine Ansicht, die alle Organisatoren teilen – sowohl diejenigen in Großbritannien als auch diejenigen, mit denen wir europaweit zusammenarbeiten. Es ist sehr wichtig zu betonen, dass diese Konferenz, obwohl sie in Großbritannien stattfindet, eine wirklich internationale Veranstaltung ist. Auch wenn wir als Gastgeber fungieren, haben wir gemeinsam daran gearbeitet sicherzustellen, dass wir nicht nur viele internationale Referenten, sondern auch zahlreiche internationale Teilnehmer begrüßen können. Hunderte Menschen kommen aus ganz Europa, um an den Beratungen teilzunehmen. Die Teilnahme an der Konferenz bietet nicht nur die Gelegenheit, gute Reden zu hören und sich inspirieren zu lassen. Sie ist auch eine Gelegenheit, zusammenzukommen und ernsthafte strategische Diskussionen zu führen, um konkret zu planen, wie die Antikriegsbewegung in ganz Europa und darüber hinaus zusammenarbeiten und konkrete Schritte nach vorne unternehmen kann.
Dies ist umso wichtiger, als wir wissen, dass staatliche Kräfte, kapitalistische Kräfte und Regierungen sich ständig auf internationaler Ebene organisieren. Auf ihrer Seite des Klassenkampfs gibt es keine nationalen Grenzen. Daher ist es absolut entscheidend, dass wir uns auf unserer Seite des Klassenkampfs nicht auf unsere innenpolitischen, unsere nationalen Belange beschränken. Als Antikriegsbewegung müssen wir international organisiert sein. Wenn wir nicht dafür sorgen, sind wir zum Scheitern verurteilt. Sehen Sie, es ist eine Tatsache, dass keines der Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, rein innenpolitische oder nationale Probleme sind. Es handelt sich durchweg um internationale Probleme, seien es Krieg, die Klimakatastrophe oder der Aufstieg der extremen Rechten. All diese Themen sind internationale Themen, und wir müssen sie auf internationaler Ebene angehen.
Die Konferenz in London wird die zweite sein, die von einer sich bildenden Gruppierung politischer Kräfte aus ganz Europa organisiert wird. Die erste Konferenz fand im vergangenen Oktober in Paris statt, und voraussichtlich wird es noch in diesem Jahr eine dritte geben. Sie sehen also: Wir sind sehr entschlossen. Dies ist keine einmalige Aktion, sondern ein fortlaufender Prozess, um die Bewegung voranzubringen.