Der Scheck, der nicht kam

Von Sabiene Jahn – 3. Juli 2026

Konfrontation im Schatten des Wissens, Bill Gates und Warren Buffet (rechts), KI-erstellt durch die Autorin (Globalbridge)

Warren Buffetts Pause bei der „Gates Foundation“ stürzt die größte Privatmacht der Weltgesundheit in eine Legitimationskrise: Warren Buffett hat die jährliche Milliardenüberweisung an die „Gates Foundation“ offenbar ausgesetzt, bis die Stiftung ihre Epstein-Verbindungen überprüfen lässt. Das ist mehr als ein Freundschaftsbruch unter Milliardären. Es ist ein seltenes Misstrauensvotum gegen eine Form privater Weltpolitik, die lange Wohltätigkeit versprach – und nun Transparenz schuldet.

Es gibt Gesten, die lauter sprechen als Erklärungen. Warren Buffett, 95 Jahre alt, hat nach übereinstimmenden Berichten seine übliche jährliche Spende an die „Gates Foundation“ vorerst nicht geleistet. Es ging um keine gewöhnliche Spende: Es war ein milliardenschwerer Transfer von Berkshire-Hathaway-Aktien, der seit 2006 fast rituell im Sommer erfolgte. „Reuters“ berichtet unter Berufung auf das „Wall Street Journal“, Buffett wolle die Ergebnisse einer externen Prüfung der Stiftung zu ihren früheren Kontakten mit Jeffrey Epstein abwarten. „Reuters“ selbst konnte den Bericht nicht unabhängig verifizieren. „Berkshire Hathaway“ und die „Gates Foundation“ reagierten zunächst nicht auf Anfragen. Doch schon die berichtete Verzögerung ist ein Einschnitt. Denn wenn der wichtigste externe Geldgeber der „Gates Foundation“ die automatische Überweisung aussetzt und zunächst abwartet, fragt ein erfahrener Investor nach mehr als nur nach Risiko. Dann steht das Geschäftsmodell moralischer Großphilanthropie selbst unter Prüfung. (1)

Buffett hatte 2006 in einem Brief an Bill und Melinda Gates erklärt, er verpflichte sich unwiderruflich, jährlich Berkshire-Hathaway-B-Aktien zugunsten der damaligen „Bill & Melinda Gates Foundation“ zu geben. Die Mechanik war präzise. Zehn Millionen B-Aktien wurden für die Stiftung vorgesehen, jährlich sollten fünf Prozent des verbleibenden Bestands übertragen werden, im Juli oder zu einem späteren von den Gates gewählten Zeitpunkt. Der Brief enthielt Bedingungen. Mindestens einer der beiden Gates musste aktiv an Politiksetzung und Verwaltung der Stiftung beteiligt bleiben. Die Stiftung musste weiter die rechtlichen Voraussetzungen für steuerbegünstigte Wohltätigkeit erfüllen und Buffetts Gabe sollte zusätzlich zu einem Mindestniveau der Stiftungsausgaben wirken. Schon diese Details zeigen, die oft zitierte „lifetime pledge“ war ein moralisches Versprechen, aber auch ein institutionelles Arrangement mit Erwartungen und Kontrolle. (2)

Bis 2025 funktionierte dieses Arrangement. In jenem Jahr wandelte Buffett nach Angaben von „Berkshire Hathaway“ 8.239 A-Aktien in mehr als 12,35 Millionen B-Aktien um und verteilte sie an fünf Stiftungen. Der größte Anteil, 9.433.839 B-Aktien, ging an den „Gates Foundation Trust“. Kleinere Tranchen erhielten die „Susan Thompson Buffett Foundation“ sowie die Stiftungen Sherwood, Howard G. Buffett und NoVo. Buffett selbst schrieb damals, die fünf Stiftungen hätten seit 2006 Berkshire-B-Aktien im Wert von etwa 60 Milliarden Dollar erhalten. Allein an die Gates Foundation gingen nach Reuters über zwei Jahrzehnte mehr als 47 Milliarden Dollar. Diese Zahlen erklären, weshalb die nun berichtete Pause nicht als Randnotiz behandelt werden kann. Sie betrifft die zentrale Finanzarchitektur einer Stiftung, die seit Jahren spendet und zugleich globale Prioritäten setzt.(3)

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