Der Libanon als Kriegsschauplatz: Israels Interventionen von 1978 bis heute

Von Jochen Mitschka – 8. Juni 2026

Der Libanon hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr israelische Invasionen erlebt als jedes andere Land im Nahen Osten. Was 1978 als begrenzte Strafexpedition begann, hat sich zu einem scheinbar endlosen Zyklus von Zerstörung, brüchigem Waffenstillstand und erneuter Eskalation entwickelt. Wer die Geschichte dieser Konflikte kennt, versteht den Libanon besser. Als Schlachtfeld der „schöpferischen Zerstörung“.

Aber beginnen wir mit dem Jahr 1978. Er zeigt ein Muster, dass sich noch oft wiederholen sollte. Der Südlibanon, der sich vom Litani-Fluss bis zur israelischen Grenze erstreckt, war schon lange vor 1978 zur Heimat tausender Palästinenser geworden, die während der Nakba bei der Gründung Israels 1948 während der Nakba vertrieben worden waren, und hatte sich in den 1960er Jahren zur Basis des palästinensischen Widerstands entwickelt.

1978: Operation Litani – der erste Einmarsch

Israel unternahm seinen ersten Einmarsch in den Libanon am 14. März 1978, als seine Streitkräfte Teile des südlichen Landes bis zum Litani-Fluss besetzten. Die „Operation Litani“ wurde von den Vereinten Nationen verurteilt, die Israel zum Rückzug seiner Streitkräfte aufforderten – ein Abzug, den Israel erst 22 Jahre später, im Juni 2000, tatsächlich vollständig vollziehen würde. Doch zunächst geschah etwas, das zum Muster werden sollte: Als die israelischen Streitkräfte 1978 auf Druck einer UN-Resolution zurückwichen, übergaben sie ihre Stellungen an die Südlibanon-Armee, die als israelischer Stellvertreter weiter gegen die PLO kämpfte.

1982: Die große Invasion – bis nach Beirut

Nach einem Anschlag des palästinensischen Widerstandes startete Israel 1982 erneut eine Offensive und drang bis nach Beirut vor, musste aber auf internationalen und besonders auf Druck der Vereinigten Staaten schließlich zurückweichen.

Hunderte Zivilisten in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila wurden von christlichen Milizionären massakriert, die von israelischen Truppen ins Lager hereingelassen worden waren, nachdem der neu gewählte maronitisch-katholische Präsident des Libanons durch eine Autobombe getötet worden war.

Das Massaker, bei dem zwischen 800 und über 3.000 Menschen – die Zählungen schwanken bis heute – ermordet wurden, löste internationale Empörung aus und belastete Israels Ansehen für Jahrzehnte.

Erst als direkte Reaktion auf diese Invasion und die damit erneut verbundenen Kriegsverbrechen unterstützten die iranischen Revolutionsgarden die Gründung der schiitisch-muslimischen bewaffneten Gruppe Hisbollah.

1993 und 1996: Zermürbung im Kleinen

Zwischen der großen Invasion von 1982 und dem Krieg von 2006 gab es zwei weitere, weniger bekannte Offensiven, die aber ihrerseits tief im libanesischen Gedächtnis verwurzelt sind.

Die „Operation Accountability“ im Juli 1993 war eine einwöchige israelische Militäroffensive gegen die Hisbollah, und die „Operation Grapes of Wrath“ folgte im April 1996.

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