Das Erbe des Vernichtungswillens: Von den Kolonialverbrechen Europas bis zur Zerstörung Gazas

Von Jochen Mitschka – 19. Mai 2026

Wenn insbesondere europäische Kolonialländer, die USA, Australien die Zerstörung Gazas förderten, und etwas, das die große Mehrheit der Wissenschaftler „Völkermord“ an Palästinensern nennt, leugnet, hat dies seine Wurzeln in den Geschichten dieser Länder. Schauen wir uns an, warum die Entwicklung logisch ist.

Es ist eine historische Linie des strukturellen Völkermords. Dan Steinbock hat in seinem Buch „die Auslöschungsdoktrin“ schon aufgezeichnet, weshalb die Politik Israels nichts Neues ist. Aber wir wollen heute aus einem anderen Blickwinkel letztlich aber das Gleiche nachweisen. Wenn man die großen Gewaltverbrechen der letzten zwei Jahrhunderte nebeneinanderlegt, fällt eine erschreckende Kontinuität auf: die systematische Vernichtung, Vertreibung und Entmenschlichung von Menschen, die als „minderwertig„, als „primitiv“, „aggressiv bzw. Terroristen“ oder als „Hindernis für den Fortschritt“ definiert wurden. Diese Verbrechen wurden von denselben Zivilisationen begangen, die sich gleichzeitig als Träger von Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie verstanden.

Von den Kongolesischen Gummiplantagen unter belgischer Herrschaft, über die Konzentrationslager in Deutsch-Südwestafrika, die Ermordung der nordamerikanischen Ureinwohner, die Dezimierung der Aborigines in Australien bis hin zur Nakba 1948 und der Zerstörung Gazas in unseren Tagen – all diese Ereignisse folgen einer ähnlichen Logik: Ein Kollektiv, das militärisch, technologisch oder politisch überlegen ist, erklärt ein anderes Kollektiv für entbehrlich. Was sich verändert, sind die Namen, die Orte und die Rechtfertigungssprachen.

Der Belgische Kongo: Die Fabrik des Grauens

Als Belgien 1885 auf der Berliner Konferenz – dem berüchtigten „Scramble for Africa“ – den Kongo als Privatbesitz von König Leopold II. zugesprochen bekam, begann eines der brutalsten Kapitel der Kolonialgeschichte. Leopolds „État Indépendant du Congo“ war kein Kolonialstaat im üblichen Sinne, sondern ein persönliches Ausbeutungsimperium, das auf Kautschuk und Elfenbein aufgebaut war.

Wer die Kautschuk-Quoten nicht erfüllte, dem wurden die Hände abgehackt – als Beweis, dass die Patronen nicht verschwendet worden waren. Schätzungen zufolge starben zwischen 1885 und 1908 bis zu zehn Millionen Menschen durch Mord, Hunger, Zwangsarbeit und eingeschleppte Krankheiten. Die Fotografien des Reformers E.D. Morel und des Diplomaten Roger Casement schockierten die Weltöffentlichkeit und führten schließlich zu einer internationalen Kampagne gegen Leopolds Herrschaft.

Belgien hat diese Geschichte lange verdrängt. Erst 2020, im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung, wurden Statuen Leopolds II. gestürzt oder abgebaut. Eine offizielle Entschuldigung des belgischen Staates für den Völkermord im Kongo steht bis heute aus. Weiterführende Informationen bietet das Africa Museum in Tervuren, das selbst Teil dieser kolonialen Geschichte ist und sich seit Jahren um kritische Aufarbeitung bemüht.

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