Apokalypse jetzt

Von Felix Feistel – 17. Oktober 2026

Kollapspropheten verlegen den kommenden Untergang immer in die Zukunft – in Wahrheit ist er längst im Gange.

Immer wieder gibt es Warnungen vor einem künftigen Kollaps. Ökonomen mahnen den Zusammenbruch des Finanzsystems an. Andere Stimmen warnen vor Blackouts und Energiearmut. Dabei werden all diese Szenarien eines drohenden Untergangs immer in eine nahe oder doch unbestimmte Zukunft verlagert. Schaut man sich die Ereignisse im Westen aber genauer an, muss man feststellen, dass der Kollaps bereits vor unseren Augen stattfindet. Dabei handelt es sich nicht um einen plötzlichen, apokalyptischen Zusammenbruch. Wie der Untergang jeder Zivilisation zuvor vollzieht sich auch der heutige in Zeitlupe durch eine Aneinanderreihung gradueller Verschlechterungen in allen Bereichen.

Die Situation im Nahen Osten versetzt zunehmend die Ökonomen der Welt in Sorge. Seit Monaten findet auf wechselnden Ebenen ein Krieg der USA gegen den Iran statt. Auf die ursprüngliche Aggression durch Bomben und Raketen reagierte der Iran seinerseits mit Angriffen in der gesamten Region. Dabei wurden ziemlich schnell auch Raffinerien und Ölinfrastruktur unter Beschuss genommen. Hinzu kommt die Blockade der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden. Diese Lebensader der globalen Ökonomie pumpt eigentlich zwischen 20 und 30 Prozent des global benötigten Erdöls, Flüssiggases sowie verschiedener Ausgangsstoffe für Düngemittel und andere Industriegüter in alle Regionen der Welt. Mit der Blockade kam der Durchfluss an Frachtschiffen weitgehend zum Erliegen. Passierten früher um die 130 Schiffe am Tag die Meerenge, so liegt dieser Wert heute im einstelligen Bereich.

Verstärkt wird dieser Effekt noch durch eine von den USA verhängte Gegenblockade iranischer Schiffe. Zur Umgehung der Straße hat vor allem Saudi-Arabien den Öltransport durch die Ost-West-Pipeline an die Küste am Roten Meer drastisch erhöht. Doch im Laufe des Sommers 2026 verschärfte sich der Konflikt mit der jemenitischen Huthi-Miliz. Diese ging dazu über, Saudi-arabische Ölinfrastruktur anzugreifen und saudische Schiffe im Roten Meer zu blockieren. Ein lange schwelender Krieg zwischen den Huthis und der von Saudi-Arabien gestützten offiziellen Regierung des Jemen in Aden flammte wieder auf.

Im September eroberten die Huthis innerhalb weniger Tage die Küste des Jemen am Roten Meer, sowie wichtige Inseln in der Meerenge Bab al-Mandeb. Diese Meerenge ist der einzige Zugang zum Roten Meer und damit zum Suezkanal von dieser Seite aus. Die Huthis, die als mit dem Iran verbündet gelten, können diese Meerenge nun jederzeit sperren.

Und das ist für die saudischen Transportschiffe ein großes Problem. Denn der größte Teil der Ölexporte aus Saudi-Arabien geht nach Asien. Der Weg ist aber durch die Sperrung des Roten Meeres versperrt. Saudische Tanker müssten den Umweg über den Suezkanal und ganz Afrika nehmen – eine zusätzliche Fahrtzeit von vielen Wochen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der saudischen Super-Tanker den Suezkanal gar nicht voll beladen befahren kann. Denn dieser hat nur eine Tiefe von etwa 20 Metern. Der Tiefgang voll beladener VLCC (Very Large Crude Carriers) – also der Supertanker – liegt aber oft bei 20 Metern oder sogar mehr.

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