Am Unabhängigkeitstag verlieh Selenskij Biletskyi, dem rechtsnationalistischen Gründer des Asow-Regiments, den Titel „Held der Ukraine“

Von Florian Rötzer – 25. August 2026

Zur Feier des Unabhängigkeitstages der Ukraine war man in Kiew offensichtlich ziemlich sicher, dass Russland die Hauptstadt nicht angreifen wird. Luftalarm gab es in Kiew nicht. Es waren die Präsidenten von Estland, Litauen, Moldawien, Finnland und der EU sowie die Regierungschefs von Großbritannien, Luxemburg und Lettland zur auf dem offenem Sophia-Platz stattfindenden Feier gekommen, wo sie Orden von Selenskij empfingen und dafür natürlich weitere Unterstützung versprachen. Es wurden unterschiedliche Orden verliehen, wer warum höher oder weniger hoch geehrt werden sollte, entzieht sich meiner Kenntnis. Großbritannien wurde jedenfalls hervorgehoben, der neue Regierungschef Burnham erhielt die Auszeichnung „Dankbarkeit des ukrainischen Volkes“ für Unterstützung von Beginn an.

Für die von Deutschland, Frankreich und Großbritannien initiierte Koalition der Willigen war das die Gelegenheit, in einer Videokonferenz aus Kiew zu erklären, dass sie die militärische Hilfe und die Sanktionen verstärken werden – for as long as it takes. Zudem wurde wieder die Verlegung von Truppen in die Ukraine angekündigt, was nur bedeuten kann, dass Friedensverhandlungen erschwert werden sollen: „Die Koalition wird die ‚Multinational-Force Ukraine‘ weiterhin auf einen Einsatz vorbereiten, sobald eine glaubwürdige Einstellung der Feindseligkeiten erreicht ist – als Teil eines umfassenderen Pakets robuster, politisch und rechtlich verbindlicher Sicherheitsgarantien, um die künftige Sicherheit und den Wohlstand der Ukraine nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands zu gewährleisten.“ Die britische Regierung erlaubt der Ukraine die Herstellung von Storm Shadow/SCALP.

Neben der Ordensverleihung gab es eine Parade von 100 Boden-, Luft- und Wasserdrohnen auf der Chreschtschatyk-Straße, dazu Wasserdrohnen auf dem Dnepr und Drohnen in der Luft. Demonstriert werden sollten die technischen Innovationen und dass die Ukraine den Unterstützerstaaten bald etwas für ihre Sicherheitszurückgeben können.

Maria Berlinskaya, bekannte Maidan-Aktivistin, Kämpferin in Freiwilligenverbänden, „Mutter der Drohnen“ und Gründerin von Victory Drones und Victory Neurones, machte darauf aufmerksam, dass die Roboter wegen des Ereignisses wahrscheinlich nicht an die Front geschickt wurden: „Einige Hersteller behaupten, sie würden seit mehreren Wochen Bodenrobotersysteme an das Logistikkommando liefern. Aus irgendeinem Grund erreichten diese Lieferungen jedoch nie die Front. Und dann, am Unabhängigkeitstag, wurde ihnen eine Erklärung präsentiert. Ich weiß nicht, wie viel Wahrheit darin steckt. Falls es stimmt, ist es blanker Schwachsinn. Jeden Tag stirbt jemand an seinen Wunden, weil er nicht evakuiert werden kann und keine Bodenroboter zur Verfügung stehen.“

Man muss immer wieder feststellen, dass Russland sich mit Angriffen auf die politische Führung zurückhält. Auch die ausländischen Politiker, die ihre Wallfahrt nach Kiew machen, scheinen sich sicher zu sein, dass sie keine Angriffe zu befürchten haben. Die USA und Israel haben vorgeführt, dass die Führung eines Landes durch Luftschläge getötet werden oder ein Präsident wie der von Venezuela entführt werden kann, ohne große Proteste der Weltöffentlichkeit hervorzurufen. Offenbar schreckt Moskau dennoch weiterhin davor zurück, um keine Eskalation zu beschwören. Vielleicht gibt es Absprachen mit den USA?

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